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Laster auf Maut-Abwegen
Logistik. Speditionen stöhnen unter Preisverfall und Billigkonkurrenz aus Osteuropa. Die hiesigen Unternehmen treten die Flucht nach vorn an.

Auf der B 6, sagt Michael Lohse, habe er keine deutschen 40-Tonner gesehen, die im Fernverkehr unterwegs sind. „Das sind alles Ausländer oder lokale Verteiler-Lkw“, behauptet der Präsident des Sächsischen Verbandes des Verkehrsgewerbes. Und schon ist er drin im Thema, den Auswirkungen der Maut. Die drückt ihn und seine Spediteurskollegen, in Ostsachsen ganz besonders. Selbst die Betriebe, die sich im Speckgürtel von Dresden angesiedelt haben, kämpfen ums Bestehen, weiß er.

Preise am Markt fallen
Michael Lohse: „Die Betriebsausgaben steigen, die Margen werden immer geringer.“ Da bleibt mancher auf der Strecke. Zum Beispiel die schleswig-holsteinische Spedition Brandt, die im Gewerbegebiet Ottendorf-Okrilla einen Stützpunkt unterhielt. Die Insolvenz-Anmeldung liegt schon eine Weile zurück.

Fehlendes Geld habe wohl den Ausschlag gegeben, sagt Lutz Franke, Niederlassungsleiter bei der benachbarten Internationalen Spedition Rieck & Söhne. Er betont: „Nicht in jedem Fall sind die Maut und die EU-Osterweiterung schuld an den wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Firmen.“ Sein Unternehmen investiere und modernisiere, um dem Preisverfall am Markt etwas entgegenzusetzen, sagt Franke. Dazu zählen etwa verbesserte Möglichkeiten, die Fracht während der Fahrt zu überwachen. Dennoch: Die Mehrbelastung durch die Maut ist beträchtlich. Seinen Angaben zufolge liegt sie im Stückgut-Sektor bei fünf bis sieben Prozent der Gesamtkosten, im Bereich der Komplettladungen liegt das Plus gar bei 13 bis 15 Prozent.

Manche hiesigen Unternehmen versuchen in Nischen auszuweichen. Die Spedition Kraftverkehr Nagel ist bereits dort, mit ihren weiß-blauen Kühl-Lastern für leicht verderbliche Lebensmittel. Deshalb stehe man im Vergleich zu anderen Speditionen noch gut da, sagt Niederlassungsleiter Jochen Bohl. Ende 2004 hat er die erwarteten Maut-Mehrkosten auf 10 000 Euro pro Monat beziffert – nur für den Standort Ottendorf, wohlgemerkt. Dabei ist für viele Fahrten der Wechsel von der Autobahn auf die Bundesstraße keine Option – schon aus Zeitgründen. Die Vorschläge des sächsischen Wirtschaftsministers Thomas Jurk (SPD), durch eine begrenzte Bundesstraßen-Maut die weniger eiligen osteuropäischen Lkw zu vertreiben, hält Verbandspräsident Lohse für „nicht durchdacht“. Jurk bestrafe damit in erster Linie den örtlichen Versorgungsverkehr, der auf dem regionalen Straßennetz unterwegs ist. Der fährt aber auch mit großen Lkws. Manche Lebensmittel-Discounter setzen bereits Vierzig-Tonner ein.

Das ist nicht das einzige Problem für die mittelständischen Logistiker, denn für die Bundesstraßen-Maut bedarf es neuer On-Board-Units (OBUs) in den Lkw. Bis diese Geräte der „zweiten Generation“ verfügbar sind, könne noch ein Jahr vergehen, rechnet Lohse vor.

Brummi-Lawine rollt weiter
In der Zwischenzeit dürfte die Lawine schwerer Laster in den Ortsdurchfahrten noch deutlich anschwellen. Auch Staatsstraßen bekommen das zu spüren, zum Beispiel die S 177 zwischen Ottendorf-Okrilla und Radeberg. „Der gefühlte Verkehr ist mehr geworden“, bestätigt Jürgen Kötzing, Ortsvorsteher von Seifersdorf. Bei den Kennzeichen der Brummis seien die verschiedensten Nationalitäten vertreten, besonders viele Polen und Ukrainer. Was die letzte Verkehrszählung ergeben hat, ist auf Schildern am Straßenrand zu lesen: 12 100 Fahrzeuge pro Tag. Darunter steht die Frage, die gleichzeitig Vorwurf ist: „Wie lange noch? So wird Seifersdorf unbewohnbar!“

Vorschläge für Bundesstraßen-Maut im Regierungsbezirk Dresden: B 6, B 170 (nach Fertigstellung der A 17) und B 169 bzw. B 98/101 zwischen den Autobahnen.

Von Andreas Rentsch, Sächsische Zeitung Kamenz, 10. 05. 2005

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