Bürgerinitiative B 170 "Lebenswertes Erzgebirge - Heimat erhalten!"

Shop | Gästebuch | Forum | Kontakt | Impressum
Presse 2005 | Presse 2004 | Presse 2003 | Presse 2002
aktuelle Aktionen | Aktionen der Vergangenheit | Tour de Natur |
Bürgerinitiative | Bündnis 90/Die Grünen | SPD | PDS | CDU | andere |
Briefe von Bürgern/Initiativen | Briefe von Parteien | Antworten |
0

 

"Quittung für Cheffe"
Zinnwald/Kipsdorf. "Tschechisch kann ich nicht sprechen, Slowakisch auch nicht", sagt Gert Mentner. "Und Ungarisch schon gar nicht." Dennoch steht der 28-Jährige in den nächsten zwei Wochen am Grenzübergang Zinnwald Cinovec und versucht, Lastwagenfahrern aus genau diesen Ländern die neue deutsche Maut-Realität zu erklären. Mentner gehört zu dem 2500-köpfigen "Unterstützungsteam" von Toll Collect, das ausländischen Fahrzeuglenkern an ausgewählten Knotenpunkten bei der Eingabe ihrer Mautstrecken helfen soll.

Die Übergangsstelle im Erzgebirge gilt als einer dieser wichtigen Orte, denn die B 170 ist eine der am häufigsten genutzten Nord-Süd-Verbindungen Europas. Knapp 2000 Lastwagen rollen normalerweise täglich durch die Anlage und wechseln nach gut 40 Kilometern bei Dresden auf die neue A 17. Verständlich, dass Toll Collect am Übergang vertreten ist. Unverständlich: Es ist nur ein Terminal zu finden.

"In den ersten Stunden hatten wir zusammen an die 100 Kunden", berichtet Mentner in entspanntem Ton. "Denn kaum jemand aus dem Ausland hat ein Erfassungsgerät an Bord." Probleme habe es am ersten Werktag trotzdem keine gegeben. Recht hat er, allerdings wohl nur in technischer Hinsicht: Alle Buchungen wurden in kurzer Zeit ins System gebracht. In Sachen internationaler Kommunikation sieht die Realität im Zinnwalder Schneegestöber ein wenig anders aus. Fast fünf Minuten dauert es, bis Mentner aus einem Tschechen mittleren Alters herausbekommt, wo der hinfahren will. Immer wieder sagt der Dresdner das Wort "Zielort" und wundert sich, dass er damit nur Schulterzucken herausfordert.

Toll-Collect-Kollege Thomas Heyden aus Pirna versteht ebenfalls keine der Sprachen, die an der Hauptroute vomBalkan in Richtung Norden von Vorteil wären. Stattdessen hat er flinke Finger und tippt die Routen routiniert ins Terminal. Auch wenn wiederholt eine Kredit- oder Tankkarte nicht akzeptiert wird - Heyden bleibt dran. "Gut, dass geholfen wird", sagt Radek Straka aus dem böhmischen Most. Ob er's alleine schaffen würde? Er lächelt und schüttelt den Kopf. Ist die Prozedur zu Ende, beschränkt sich Heyden beim Aushändigen der Bescheinigungen wegen des Sprachendefizits auf Standards: "Hier ist Karte für Polizei. Und hier ist Quittung für Cheffe."

Torsten Henkel hat eine Erklärung für den ruhigen Montag am Grenzübergang. "Es war einfach nicht viel los", meint der Sprecher des Bundesgrenzschutzes in Zinnwald. Zahlreiche Unternehmen seien noch imUrlaub. "So hat etwa Volkswagen noch Werksferien", sagt Henkel. Erst in einer Woche sei mit dem gewöhnlichen Verkehr zu rechnen.

Dass sich dann deutlich mehr Fahrer um den in einem Speditionsgebäude aufgestellten Terminal drängen, macht Thomas Heyden keine Angst. "Das wird sich einspielen. Falls es eng wird, wir sind ja mindestens bis zum 15. Januar hier", erklärt der 45-Jährige. "Und dann gibt es ja noch Kipsdorf." Was er meint, ist der große Lkw-Parkplatz gut neun Kilometer nördlich, der auf der Dresden-Route zum Hauptanlaufpunkt für Mautpflichtige werden soll.

In einem gelben Containerbau stehen dort rund um die Uhr die Terminals bereit. Gleich sieben sind es diesmal - und dazu acht der hilfsbereiten Toll-Collect-Leute. Aber auch unter denen sind keine mit hilfreichen Sprachkenntnissen. Für Christian Starke überhaupt kein Problem. "Wir haben hier Broschüren in 20 Sprachen", meint der Chef der Kipsdorfer Betreuertruppe. "Und außerdem: Lastwagenfahrer sind doch clever, die kriegen das auch so hin."

Martin Wachtelborn, Leipziger Volkszeitung 03. 01. 2005

Über uns | Site Map | Privacy Policy | Kontakt | ©2005 Bürgerinitiative "Lebenswertes Erzgebirge"