Bürgerinitiative B 170 "Lebenswertes Erzgebirge - Heimat erhalten!"

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Lkw-Kolonne wälzt sich durch Altenberg
Seit der EU-Osterweiterung zieht keine Ruhe mehr ein
Von Karin Grießbach

Morgens halb zehn in Deutschland - das ist schon ein geflügeltes Wort. Die SZ sieht sich um, was in dieser Zeit in Altenberg passiert. Heute an der B 170 am Plusmarkt.

"Es ist eine Katastrophe", schimpft ein älterer Herr, als er auf dem Parkplatz des Plusmarktes den Inhalt des Einkaufswagens im Kofferraum seines Autos verstaut. "Nur über Schleichwege komme ich noch durch die Bergstadt."

Wohl dem, der diese Schleichwege kennt. Den Ortsunkundigen bleibt wohl oder übel nichts anderes übrig, als sich in die Lkw-Kolonne einzureihen, die sich wie ein langer Lindwurm von Ampel zu Ampel durch den ganzen Ort wälzt. Wütend macht er seinem Ärger auf die Politiker Luft, die sich seiner Meinung nach nicht um die Probleme der Menschen an der B 170 kümmern.

Innerhalb von zehn Minuten zähle ich an diesem Morgen 19 große Laster und Reisebusse, die sich im Takt der Grünphasen der Ampel am Abzweig Geising, vorbei am kaputten Wohnhaus von Familie Wolf, den Berg am Europark hinauf quälen. Die Kennzeichen verraten, dass neben Ungarn und Deutschen auch zehn Trucks aus Tschechin unterwegs sind. Auch zwei Gefahrguttransporte sind dabei. Das Wohnhaus der Wolfs wurde erst vor wenigen Wochen ein Opfer der Blechmonster (SZ berichtete), die pausenlos zur nahen Grenze rollen.

Im Grundstück gegenüber der Fußgängerampel am Plusmarkt herrscht halb Zehn geschäftiges Treiben. Michael Zschettge ist mit seinen Eltern vor eineinhalb Jahren von Herzberg an der Elster nach Altenberg gezogen und setzt gerade neue Fenster in das alte Holzhaus. Der kleine Fabian zieht ungeduldig an Opas Arm, er will spazieren gehen. Eigentlich wäre genügend Platz für einen schönen Spielplatz im Grundstück. Aber Oma Christa Kecke mag gar nicht an die Gefahren denken, wenn der Kleine größer wird. Noch hält eine Sicherung am Tor den Eineinhalbjährigen ab, auf die Straße zu laufen. "Seit der Grenzöffnung am 1. Mai ist alles noch viel schlimmer geworden", klagt die Altenbergerin. "Tag und Nacht, ohne Unterbrechung rollen die Lkws am Haus vorbei. Nur wenn die Ampel auf Rot schaltet, ist mal kurz Ruhe." Eigentlich war das Kinderzimmer auf der zur Straße liegenden Seite geplant. Diese Entscheidung werden die jungen Eltern wohl noch einmal überdenken, wenn der Verkehr, wie befürchtet, weiter zunimmt.

Alois Ulbig wohnt schon seit 1945 in Altenberg und kann sich noch an die katastrophalen Zustände vor Eröffnung der neuen Grenzanlage erinnern. "Wenn der Parkplatz voll war, standen die großen Kisten durch den ganzen Ort", erinnert er sich. An den starken Verkehr hat sich der Rentner inzwischen langsam gewöhnt, ist aber froh, dass er nicht direkt an der viel befahrenen Straße wohnt.

Nicht nur der feuchtkalte Nebel macht es an diesem Tag schwer, etwas von dem Feeling zu spüren, das Erholungssuchende von einem Kurort erwarten. So bleibt nur die Hoffnung, dass möglichst bald eine Lösung für das Verkehrsproblem auf der B 170 gefunden wird.

Sächsische Zeitung, Dienstag, 25. Mai 2004

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