Bürgerinitiative B 170 "Lebenswertes Erzgebirge - Heimat erhalten!"

Gästebuch | Forum | Kontakt | Impressum
Presse 2005 | Presse 2004 | Presse 2003 | Presse 2002
aktuelle Aktionen | Aktionen der Vergangenheit | Tour de Natur |
Bürgerinitiative | Bündnis 90/Die Grünen | SPD | PDS | CDU | andere |
Briefe von Bürgern/Initiativen | Briefe von Parteien | Antworten |
0

 

Lkw-Lawine überrollt Anwohner der B 170
2900 Fahrzeuge am Tag donnern durch die Orte

Die Bäckerei Pfützner in Schmiedeberg spielt einen neuen Film: Stirb langsam. Regie: Sachsens Wirtschaftsministerium. Hauptdarsteller: Die Anwohner der B 170. So steht es auf einem Schild neben der Eingangstür der Bäckerei im Osterzgebirge. Wut und Frust sitzen tief bei den Menschen an der Trasse. Seit 1. Mai donnert Tag und Nacht eine nicht enden wollenden Kolonne von Lastern durch die engen Orte zwischen Zinnwald und Dippoldiswalde. 2900 Lkw wurden laut Landrat Bernd Greif (CDU) Mitte Mai an einem Tag in Altenberg gezählt, fast doppelt so viel wie im April. Brummis aus Tschechien, Polen, der Slowakei, aus Ungarn und den Niederlanden. Eine Folge der EU-Osterweiterung. Doch an der Europastraße B 170 wohnen ihre ersten Opfer.

Schallschutzfenster hat Bäcker Thomas Pfützner längst eingebaut. Doch wozu? "Es wackelt das ganze Haus", sagt er. Die Familie leidet unter Schlafproblemen. Nachts, wenn er wach liegt, denkt Pfützner an die verschlafenen Regierungen in Dresden und Berlin. "Seit 1994 war klar, dass die Erweiterung kommt. Aber passiert ist hier nichts." Die Leute fühlen sich von der Politik im Stich gelassen.

Lärm, Gestank und ewiger Stau
Zu Lärm und Gestank kommt der ewige Stau, der den Fahrlehrern, den Altenpflegern, den Gebäudereinigern die Arbeit vermiest. Und über allem schwebt die Angst vor Unfällen. Anfang März knallte ein tschechischer Laster auf glatter Fahrbahn mitten in der Nacht in ein Haus, das bis heute unbewohnbar ist. Zwar wurde keiner verletzt. Doch ihr Sohn kämpfe noch immer mit dem Schock, sagt die betroffene Mutter Elke Wolf. "Die TransitLaster müssen wieder weg", fordert ultimativ die Verkäuferin Gonda Melzer.
Existenzielle Sorgen greifen auch im Tourismus um sich. Hotelier-Familie Brolli von der Schäfermühle in Waldbärenburg etwa musste vorige Woche elf Zimmer stornieren. "Und die Gäste, die anreisen, ergreifen nach einer Nacht die Flucht. Wir sind verzweifelt", sagen die Brollis. Die Regierung müsse endlich ein Nachtfahrverbot verhängen wie andere Länder auch. Eine Forderung, die auch die PDS im Landtag gestern aufstellte. Ihr Dringlicher Antrag wurde aber von der CDU-Mehrheit abgewiesen, da es keine Alternative für den Brummi-Transit gebe.
Genau dem widersprechen die Anwohner und verweisen auf die Rollende Landstraße zwischen Dresden und dem tschechischen Lovosice. Die Auslastung der Züge, die die Laster Huckepack nehmen, ging jedoch Anfang Mai schlagartig von rund 70 Prozent auf unter zehn Prozent zurück. Schließlich gibt es am Grenzübergang in Zinnwald keine zeitaufwendigen Kontrollen und lange Staus mehr, die bisher der Umweg über die "RoLa" ersparte. Nun will Dresden die mit Millionen subventionierte Strecke auslaufen lassen. Über das Aus wird aber noch mit Tschechien verhandelt.

"Freiwillig läuft das nicht"
Die SPD-Abgeordnete Simone Raatz will indes, das die Staatsregierung mit einem Nachtfahrverbot die Laster wieder auf die Schiene zwingt. "Freiwillig läuft das nicht." Viele Menschen in der Region wollen wenigstens die Gefahrguttransporte wieder auf die Züge verbannen. "Man weiß ja nicht, was hier alles durchfährt", sagt Andreas Warschau, einer der Köpfe des Widerstandes. Der 39-Jährige plant auch Klagen der Anwohner wegen der Verstöße gegen das Lärmschutzgesetz. Die Bürgerinitiative "Lebenswertes Erzgebirge" kämpft kreativ für eine Befreiung aus der Lkw-Lawine. Mittwochabend etwa fuhren widerständige Erzgebirgler in einem Konvoi mit Tempo 20 die Strecke von Dresden bis Altenberg, Mitte Mai legten sie mit einem "Cafe" auf der B 170 in Dippoldiswalde den Verkehr lahm.
Das Wirtschaftsministerium von Martin Gillo (CDU) senkte zwar die Preise der RoLa deutlich, zuckt aber ansonsten mit den Schultern und wartet auf die Eröffnung der A 17 Dresden-Prag Mitte 2006. Der Freistaat habe kaum Handlungsspielraum und ein Nachtfahrverbot sei weder ein Allheilmittel noch rechtlich haltbar, da es keine Ausweichstrecke gibt, heißt es. Landrat Greif fürchtet zudem Schadensersatzklagen, wenn das Nachtfahrverbot rechtlich scheitert. Gefordert seien der Bund und die EU.
Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten findet indes, diese "Hilflosigkeit einfach erschreckend". Sein Plan: Die Trasse, die vom Hochwasser stark beschädigt wurde, mit Verweis auf die Gefahren durch die Baustellen wenigstens bis zur Eröffnung der A 17 für Lkw sperren. 

von Sven Heitkamp, Leipziger Volkszeitung, Lausitzer Rundschau; Dresdner Neueste Nachrichten 28. Mai 2004

Über uns | Site Map | Privacy Policy | Kontakt | ©2005 Bürgerinitiative "Lebenswertes Erzgebirge"