Bürgerinitiative B 170 "Lebenswertes Erzgebirge - Heimat erhalten!"

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Falsche Hoffnung auf Wirtschaftswachstum durch Autobahnen

Mehr Strassen bringen nicht mehr Arbeitsplätze
Die Autobahn bringt dem oberen Reusstal mehr Umweltbelastung und Bodenverlust, aber die Hoffnung auf Wirtschaftswachstum hat sich nicht erfüllt. Die Ökonomin Pia Steiner zeigt am Beispiel zweier Urner Regionen, dass eine gute Verkehrserschliessung weder Abwanderung noch Arbeitsplatzabbau aufhält. Während das obere Reusstal unter der Nähe der Autobahn eher leidet, hält sich das Schächental wirtschaftlich relativ gut – auch ohne Autobahnanschluss.

Die Strassenbauer verbreiten bei jedem Projekt die alte Mär: «Neue Strassen bringen Wirtschaftswachstum». Diese Behauptung ist bei allen Autobahnbauten der letzten Jahrzehnte aufgekommen und hat sich meist als falsch erwiesen. Die Alpen-Initiative hat die Wirtschaftswissenschafterin Pia Steiner beauftragt, die Methodik einer internationalen Studie auf die Urner Verhältnisse zu übertragen und zu untersuchen, ob die Erkenntnisse auch in kleinen Räumen stimmen: Wie entwickeln sich Randregionen mit und ohne Autobahnanschluss?
Steiner verglich die Entwicklung im oberen Reusstal mit jener im Schächental: das eine mit, das andere ohne Autobahnanschluss und beide mit einer guten halben Stunde Busfahrzeit zum Hauptort. Per Auto erreicht man Altdorf vom oberen Reusstal aus in 20 bis 25 Minuten, vom Schächental aus in 11 bis 16 Minuten.

Durch die Autobahn zerschnitten
Das obere Reusstal mit den Gemeinden Göschenen, Wassen und Gurtnellen kann sich über Autobahnnähe nicht beklagen, ganz im Gegenteil. Doch das erhoffte Wirtschaftswachstum ist ausgeblieben. Zwar leidet das Tal unter Lärm und Luftbelastung, doch trotz bester Verkehrslage – zwei Autobahnanschlüsse, SBB und Furka-Oberalp-Bahn, Passstrassen – haben die Arbeitsplätze zwischen 1991 und 1998 in allen Sektoren um rund einen Fünftel abgenommen. Kein Wunder, dass vor allem die Jungen die Dörfer verlassen und die Bevölkerung zwischen 1990 und 2000 um 13.8 Prozent gesunken ist. Für die regional ausgerichtete Wirtschaft, so folgert die Autorin, ist die Lage an der Autobahn nicht von entscheidender Bedeutung, und die Nationalstrasse rettet sie auch nicht aus der Krise. Der Verkehr auf der A2 hat sich innerhalb von zwanzig Jahren gut verdoppelt. Die Autobahn hat hier also die wirtschaftliche Zukunft nicht gesichert, sondern eher verbaut.

Bescheidenes Wachstum möglich
Ganz anders im hinteren Schächental, das bloss durch die Klausenpassstrasse mit Altdorf verbunden und im Winter eine Sackgasse ist. Spiringen und Unterschächen gelten Leuten aus dem Unterland als «der hinterste Krachen». Wer will denn schon so abgelegen wohnen? Erstaunlich viele! Das Schächental weist keinen grossen Boom vor, aber eine stabile Entwicklung. Die Gemeinden konnten den Bevölkerungsschwund stoppen. Zwischen 1990 und 2000 nahm die Bevölkerung gar leicht zu. Familien schätzen die gute Lebensqualität und bleiben oder lassen sich hier nieder.
Erfreulich: Die Geburten kompensieren die Abwanderung! Die Zahl der Arbeitsplätze hat in der Landwirtschaft (-5.4%) und im Dienstleistungssektor (-8%) ebenfalls abgenommen, legte in Gewerbe und Industrie aber leicht zu (+3.4%). Das Tal liegt mit rund 10 Kilometer Entfernung nahe genug am Kantonshauptort, um ein Pendeln an den Arbeitsplatz im Zentrum zu ermöglichen, und weit genug ab von den grossen Verkehrsströmen, um ihren Belastungen zu entgehen.
Obwohl das Schächental vor allem im Bereich Güterverkehr sehr schlecht bedient ist, nicht an der Autobahn liegt, weniger Bus- und gar keine Bahnverbindungen hat, hält es sich wirtschaftlich besser als die Region Göschenen.

Strassen fördern sogar Abwanderung
«Strassen führen immer in zwei Richtungen, erklärt Pia Steiner, «gerade schwach entwickelte Regionen laufen Gefahr, dass Arbeitskräfte abwandern, statt dass sich wie erhofft neue Firmen ansiedeln.» Sie kommt zum Schluss, dass die Nähe zu einem regionalen Zentrum wenn schon wichtiger ist als der Ausbau der Verkehrswege. Und sie weist nach, dass gut ausgebildete ARbeitskräfte, Attraktivität als Wohngebiet, verfügbares Bauland oder das Steuerniveau ebenso wichtig und öfters bedetusamer sind als di eAutobahnanbindung. Die Länge des Trasnportweges als Kostenfaktor für Firmen wird in aller Regel massiv überschätzt.

Quelle: echo - Magazin des Vereines "Zum Schutz ds Alpengebiets vor dem Transitverkehr"

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