Bürgerinitiative B 170 "Lebenswertes Erzgebirge - Heimat erhalten!"

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Die Wende kurz vorm Kollaps

Von Franz Herz
B 170. Lange schien es ein Tabu, nun will sogar das Wirtschaftsministerium in Dresden ein Nachtfahrverbot.

Mit leiser Stimme trug Reinhard Dietze seine Sensation vor. Der Verkehrsplaner aus Bannewitz hat im Rahmen des Verkehrskonzepts für den Weißeritzkreis ein Nachtfahrverbot für die B 170 geplant mit Details wie der Überwachung und dem nächtlichen Aufstau der Lkws auf der Autobahn. Offenbar ist es ihm gelungen, höhere Stellen davon zu überzeugen, wie eine Sprecherin des sächsischen Wirtschaftsministeriums bestätigte. Heute soll eine Entscheidung darüber fallen.
Thomas Rechentin, der stellvertretende Landrat des Weißeritzkreises, zeigte sich gestern bei der Fachtagung zum Verkehrskonzept überrascht: „Die Bundesstraße, die uns zugegebenermaßen terrorisiert, ist das Schwerpunktproblem. Wir haben schon alles versucht, um ein Nachtfahrverbot zu erreichen. Das war bisher nicht möglich. Wenn es jetzt doch geht, werden wir es schnellstens umsetzen. Ich bin froh über das Umdenken.“
Die Forderung nach einem Nachtfahrverbot auf der B 170 ist schon über zehn Jahre alt. Reinhard Dietze erläuterte, dass die Situation auf der Bundesstraße inzwischen sehr instabil geworden sei und bei jeder kleinsten Störung der Verkehr zusammenbricht. Diese Not hat offenbar überzeugt.

Die anderen Probleme bleiben
Eberhard Pohl, der in Bannewitz an der Bundesstraße wohnt, warnte aber: „Das wird nachts Ruhe bringen. Ich fände es super, wenn das so schnell wie möglich erreicht würde. Aber es bringt keine Lösung für die ganzen anderen Probleme auf der B 170.“ Frank Beyer, Marketingleiter beim Regionalverkehr Dresden, sagte: „Wenn die alle nachts warten und in der Früh losfahren, haben wir dann täglich eine Situation wie am vergangenen Dienstag.“ Da mussten Lkws wegen des Feiertags warten und fuhren dann in Massen los, was zu Staus führte.
Dietze hat schon Details geplant. Nachts sollten die Laster auf der Autobahn aufgestaut werden. An der Anschlussstelle Dresden-Süd sollte der Verkehr mit Kameras und dem System, das auch zur Mauterhebung benutzt wird, überwacht werden. „Gute Öffentlichkeitsarbeit gehört dazu“, sagt er und hofft, dass sich ein Teil der Brummifahrer völlig andere Routen sucht.
Vier Uhr morgens hält er für eine günstige Zeit, die Lkws wieder fahren zu lassen. „Drei Uhr beginnt der Winterdienst. Fünf Uhr ist nicht so günstig, da schon der Pendlerverkehr einsetzt und auch regionale Versorgungsfahrzeuge starten.“

Entlastung der Region
Bundestagsabgeordneter Klaus Brähmig (CDU) fragte: „Der Verkehr ist ja da. Verlagert sich der auf die übrige Zeit oder weicht aus auf andere Strecken, zum Beispiel die Müglitztalstraße?“ „Ein Teil wird sich auf andere Grenzübergänge verlagern“ – auf diesen Effekt hofft Dietze hauptsächlich. aus seiner Sicht würde er eine vollständige Entlastung der Region bringen, nicht nur eine zeitweise Verlagerung. „Bei der Müglitztalstraße werden wir eine Tonnagebegrenzung prüfen. Dort ist eine Brücke in so schlechtem Zustand, dass sie eigentlich keiner Belastung von 40 Tonnen Stand hält.“ Die Befürchtung, dass sie auf den Nebenstraßen dann mehr Verkehr bekommen, haben auch die Bürgermeister von Rabenau, Gerd Hilbert (Freie Wähler), und Reinhardtsgrimma, Markus Dreßler (CDU). „Wichtig ist, dass das Fahrverbot auch für den Abschnitt von Altenberg bis zum Abzweig nach Zinnwald gilt“, sagte Dietze. Dann gibt es auch keinen Anreiz für Lkws, durchs Müglitztal zu fahren.
Das Nachtfahrverbot sieht er als Übergangslösung, bis die A 17 fertig ist. Dann sollte der Grenzübergang in Altenberg für alle Lkws über zwölf Tonnen gesperrt werden, die nicht aus dem Weißeritzkreis kommen oder dort ihr Ziel haben. Der Grenzübergang Altenberg soll für den Transitverkehr gar keine Rolle mehr spielen, auch nicht als Ausweichmöglichkeit, wenn auf der A 17 Probleme auftreten.

Anregungen für das Verkehrskonzept: Kontakt: Kreisentwicklungsamt, Dr.-Külz-Straße 1, 01744 Dippoldiswalde
Rainer.Frenzel@weisseritzkreis.com

Rettungsring (Kommentar)

Das ist der Vorteil, wenn Einheimische an einem Problem arbeiten. Sie sehen selbst, wo es am meisten klemmt, brauchen keine großen Zuarbeiten von anderen. Der Ingenieur Reinhard Dietze erarbeitet ein Verkehrskonzept für den Weißeritzkreis. Er wohnt im Bannewitzer Ortsteil Börnchen. Da braucht er keine Statistiken und Analysen, um aus eigener Erfahrung zu erkennen: Die B 170 ist das Verkehrsproblem im Landkreis, das alles andere bei weitem in den Schatten stellt.
Eigentlich sollte ein Konzept ja weit in die Zukunft weisen, Entwicklungen auf zehn und fünfzehn Jahre hin vorgeben, auf die wir uns einstellen müssen.
Aber wer im Transitverkehr untergeht, der muss um sich schlagen, um zu überleben. Der braucht erst einen Rettungsring und dann Zukunftsvisionen. Das hat Dietze erkannt und dem Weißeritzkreis mit dem Nachtfahrverbot eine kurzfristige Lösung angeboten. Schon wenn es gelingen sollte, dies wirklich durchzusetzen, dann hat sich die Arbeit an dem Verkehrskonzept gelohnt.

Reaktionen auf das geplante Nachtfahrverbot

Kristina Seidel, Inhaberin einer Praxis für Physiotherapie in Schmiedeberg: „Das Nachtfahrverbot ist gut, aber es ist nur ein kleines Entgegenkommen. Mir reicht das nicht, denn die Abgasbelastung am Tag bleibt ja. Deshalb möchte ich, dass die Transit-Lkws ganz von der Straße verschwinden. Es wäre gut, wenn die Rollende Landstraße wieder belebt wird.“
Andreas Warschau von der Bürgerinitiative „Lebenswertes Erzgebirge“ bezeichnet die aktuellen Bemühungen um das Nachtfahrverbot als Schritt in die richtige Richtung. „Es ist allerdings nur die halbe Strecke. Wir wissen, welche Folgen das Nachtfahrverbot tagsüber haben wird. Daher muss unser Ziel sein, dass der Transitverkehr ganz runter kommt von der B170.“
Karl-Günter Schneider, (CDU), Bürgermeister von Schmiedeberg: „Ich freue mich, dass es intelligente Lösungen gibt, die besser sind als komplizierte Mautsysteme, die vielleicht Geld in die Kasse spülen, aber den Verkehr nicht verhindern. Die Menschen an der Straße fragen sich natürlich, warum so ein Nachtfahrverbot nicht schon lange verwirklicht ist.“(SZ/mb/schl/fh)

alles: Sächsische Zeitung 04. 11. 2005

 

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