Bürgerinitiative B 170 "Lebenswertes Erzgebirge - Heimat erhalten!"

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Eine schnelle Lösung hat auch der Minister nicht
Thomas Jurk zu Gast bei einem ,Lärmopfer‘ an der B170

Ein Albtraum: 3600 Laster donnern täglich auf der B 170 durch Schmiedeberg. „Herr Jurk kann ja mal nachts vorbeikommen und sich das anhören!“ Am 15. April schimpfte so Steffen Thierfelder (51) in der Morgenpost. Verkehrsminister Thomas Jurk (42, SPD) las die Kritik. Sonntagnacht war er mit der Morgenpost zu Gast bei Familie Thierfelder.
Vorsichtig klopft Jurk kurz nach 21 Uhr ans Fenster. „Guten Abend“, lächelnd schüttelt er die Hand von Birgit Thierfelder (52). Der Minister hat ein Sechserpack Schwarzbier mitgebracht. Pausenlos klingelt sein Handy. Entschuldigend verweist Jurk auf die eben vom Kanzler vorgeschlagene Bundestagswahl. Als Chef der Sachsen-SPD ist er nun gefragt. „Danke für die Einladung“, versucht er das Gespräch wieder aufzunehmen. Da piept das Handy erneut: „Manfred!“ Bundesminister Stolpe ist dran. Danach schaltet Jurk das Handy ab. „Mir ist unser Gespräch jetzt wichtiger!“

Die ersten Laster donnern vorbei. 40 Minuten vor Ende des Sonntag-Fahrverbots - bis 22 Uhr sind es bereits 34. Seit dem EU-Beitritt Tschechiens im Mai 2004 hat sich der Schwerlastverkehr auf der B170 von einst 1700 Lastern pro Tag auf unerträgliche 3600 mehr als verdoppelt.
Das Wohnzimmer wackelt - die Kaffeetassen vibrieren. „Wir fühlen uns von der Politik im Stich gelassen“, sagt Steffen Thierfelder. „Tag und Nacht fahren pausenlos aller 20 Sekunden Laster vorbei. Auf der Straßenseite kann niemand schlafen, wir haben ständig die Fenster zu. Unsere Autos sind immer rußschwarz, die Kunden in den Läden bleiben weg. Wie sollen wir so leben?“
Der Minister nickt: „Ich weiß! Aber wenn 2006 die A17 ...“ Thierfelder schüttelt den Kopf: „Daran glaub ich nicht. Außerdem brauchen wir jetzt eine Lösung. Wir wollen die Rollende Landstraße wieder haben!“ Jurk erklärt, dass der freie Warenverkehr in der EU die „Rola“ unmöglich macht. „So gern ich sie selbst hätte, wir haben finanziell und rechtlich keine Chance.“ Aber: Mit der tschechischen Seite habe er verhandelt! Demnächst sollen Gütercontainer wieder über die Grenze per Zug transportiert werden. Steffen Thierfelder lacht: „Gab es das nicht schon zu DDR-Zeiten?“

Birgit Thierfelder erzählt von ihrem Blumenladen, direkt an der Straße: „15 Prozent weniger Umsatz seit einem Jahr, 2000 Euro pro Monat fehlen nun! Es kommen keine Reisenden mehr und die Anwohner haben Angst, über die Straße zu gehen. Ich kann kaum noch meine Angestellten bezahlen.“ Jurk macht sich Notizen. Auch als ihm die Familie erzählt, dass die Polizei Anwohner in Nebenstraßen blitzt, aber die Laster mit Tempo 70 durch den Ort donnern: „Dass muss ich dem Innenminister sagen, da muss sich was ändern, wir dürfen nicht die Anwohner bestrafen!“

Schnelle Lösungen hat Jurk nicht im Gepäck. Als er sich gegen 22.30 Uhr vor dem Haus verabschiedet, hat der Lasterverkehr voll eingesetzt. Ein Brummi nach dem anderen donnert vorbei. Jurk: „Es tut mir leid, ich kann sie nur auf die A17 Ende 2006 vertrösten. Dann wird die B170 mautpflichtig, versprochen! Wir werden dann Tonnage-Blitzer aufstellen, um Mautpreller zu erwischen. Ein Nachtfahrverbot ist dann denkbar. Aber bis dahin müssen Sie durchhalten!“ Als der Verkehrsminister in seinen Dienstwagen steigt, klingelt sein Handy schon wieder. Neue Probleme warten auf ihn. Thierfelder schaut ihm nach: „Wenigstens hat er sich unsere Sorgen auch mal angehört!“

Von Jens Jungmann, Chemnitzer Morgenpost, 24. Mai 2005

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