Bürgerinitiative B 170 "Lebenswertes Erzgebirge - Heimat erhalten!"

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Im Visier der Brummer
Possendorfer Haus war oft Unfall-Schauplatz
Von Jörg Stock

Sie war berüchtigt und gefürchtet: die „Apothekenkurve“ der B 170 am Fuße des Possendorfer Bergs. Dutzendweise zerschellten hier in den vergangenen Jahrzehnten Lastkraftwagen. Am Abend des 29. März 1978 kam es am Haus Schulstraße 1 zur Katastrophe.

In der Transitgemeinde Possendorf ging wohl ein ganz normaler Tag zu Ende. An diesem Märzabend des Jahres 1978 arbeitet der Architekt Jörg Arnholdt noch am Zeichenbrett. Wenige Meter vor seinem Fenster rauscht der Verkehr über den Asphalt, der sich damals noch F 170 nannte. Dann legt Arnholdt den Stift weg und geht zum Volleyballspielen. „Das war mein Glück“, sagt Arnholdt heute, „sonst wäre ich glatt überfahren worden.“

Gegen 19 Uhr rast ein österreichischer Laster, beladen mit schweren Gussteilen, in Arnholdts Haus und zertrümmert die halbe Fassade. Arnholdts Arbeitsplatz im Erdgeschoss ist ein Trümmerfeld. Im Zimmer darüber schläft sein dreijähriger Sohn. Wie durch ein Wunder bleibt er unverletzt. Arnholdts Frau und die Nachbarn retten das Kind aus dem Chaos.

Das Unglück war noch lange nicht das letzte in der „Apothekenkurve“ in Possendorf. Allein vorm Arnholdtschen Haus, Schulstraße 1, passierten bis zum August 1993 noch sechs weitere Unfälle mit schweren Lastkraftwagen. Besonders nach der Wende rollte die Unfall-Lawine vom Possendorfer Berg. Für Aufsehen sorgten die Bilder des Tanklasters, der sich 1992 fast zur Gänze in die Mauern der Gaststätte „Transit“ bohrte.

Jörg Arnholdt, heute 56, ist überzeugt, dass zumeist menschliches Versagen das Desaster herbeiführte. „Die Fahrer sind zu schnell den Berg runter und konnten dann nicht bremsen.“ Nach dem Ende der DDR nahm das Verkehrsaufkommen zu und die Karambolagen auch. 1992 schrieb Arnholdt ans Dresdner Straßenbauamt und forderte eine Barriere aus Stahlbeton im Kurvenbereich zum Schutz von Fußgängern und Hausfassaden. Das wurde abgelehnt – gefährlich unflexibel sei eine solche Wand. Die aufgestellten Leitplanken jedoch zeigten sich zu nachgiebig. Im Mai 1993 krempelte ein tschechischer Gasbeton-Laster das Metall ohne viel Mühe um. Jetzt ist eine stärkere Version im Dienst, laut Bürgermeister Christian Zeibig die stärkste, die es gibt.

Der Durchbruch – diesmal im besten Sinne – kam aber erst mit der elektronischen Verkehrsüberwachung am Possendorfer Berg. Denn seitdem ist Ruhe in der „Apothekenkurve“. Schon oben in Rundteil werden Brummifahrer automatisch per Warntafel zu 40 auf dem Tacho angehalten und zum Schalten in den zweiten Gang. Unten lauert noch eine Radarfalle.

Architekt Arnholdt hat trotzdem Konsequenzen gezogen. Seine Familie wohnt nicht mehr am Possendorfer Berg. Das Büro hat er allerdings immer noch im Erdgeschoss der Schulstraße 1. Die Gefahr verdrängen, so sagt er, habe er gelernt.

Sächsische Zeitung, Montag, 12. Juli 2004

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