Bürgerinitiative B 170 "Lebenswertes Erzgebirge - Heimat erhalten!"

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Befürchtungen sind weit übertroffen

Jens Weber von der Grünen Liga Osterzgebirge rekapituliert, wie es zur heutigen Situation auf der B 170 gekommen ist:

Die Bürgerinitiative „Lebenswertes Erzgebirge“ hat gezählt: Mindestens 2 400 Laster donnern täglich durch die Kurstadt Altenberg. Wie konnte es nur soweit kommen?

1992 war erstmals eine offizielle Erhebung der Lkw-Zahlen von den zuständigen Behörden des Freistaates Sachsen in Zinnwald durchgeführt worden. Damals rollten hier demzufolge noch 715 Lkw pro Tag über die B170. Handeln hätte dringend notgetan, denn es zeichnete sich doch deutlich ab, dass im Zuge der viel gepriesenen Globalisierung der grenzüberschreitende Warenverkehr deutlich zunehmen würde. Von „Faktor 2“ sprachen die amtlichen Verkehrsprognosen, also einer Verdoppelung innerhalb von 10 Jahren. 1400 Lkw hätte dies für 2002 bedeutet, damals unvorstellbar, bei dieser Straße!

„Der Umwelt dienen - Güter auf die Schienen“ stand etwas hilflos auf dem Spruchband, mit dem ein Häuflein besorgter Umweltschützer 1992 eine halbe Stunde lang die Zollabfertigung in Zinnwald blockierte. Vielleicht trugen diese Proteste mit dazu bei, dass neben der ganz und gar nicht umweltfreundlichen, völlig falschen verkehrspolitischen Weichenstellung zum Autobahnbau über das Erzgebirge auch eine „Rollende Landstraße“ eingerichtet wurde.

Den leidgeplagten Anwohnern blieb bis Ende der 90er Jahre Schlimmeres erspart, weil Straße und Grenzabfertigung nicht mehr bewältigen konnten, und weil mit der RoLa eine Alternative zur Verfügung stand. Mehr Billiggütertransporte gingen eben nicht.

Doch dann zeichnete sich ein Schreckgespenst ab: Die B170 sollte ausgebaut, durchlässiger gemacht werden, vor allem mit einer riesigen neuen Grenzzollanlage in Zinnwald. Die Grüne Liga Osterzgebirge versuchte dagegen mobil zu machen, kämpfte sich durch Berge von Planungsunterlagen, stritt sich mit den Planungsbehörden rum. Und sie zählte nochmal genau nach, was denn auf der B170 tatsächlich rollte. Genau wie jetzt die Bürgerinitiative, und genau an der selben Stelle in Altenberg, setzten sich Mitstreiter im Herbst 1997 24 Stunden lang an den Straßenrand und notierten akribisch Art und Herkunft der Fahrzeuge. Auffällig war damals der sehr hohe Anteil von Ziel- und Quellverkehr, also Laster, die die B170 nicht als Transitstrecke nutzten. „Nur“ rund 600 Transiter rollten weiter in Richtung Grenze oder kamen von dort.

Nach der erwähnten amtlichen Verkehrsprognose hätten es 1997 knapp 1100 sein müssen, tatsächlich waren es sogar rund hundert weniger als zur offiziellen Verkehrszählung 1992, auf der diese Prognose beruhte. In der Tat hatte sich der grenzüberschreitende Güterverkehr in etwa dem vorhergesagten Ausmaß entwickelt, doch den „Überschuss“ nahm die RoLa auf. Nach damaligen Angaben des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit bewältigte die „Rollende Landstraße“ rund 40 Prozent des gesamten Lkw-Transits zwischen Sachsen und Tschechien. Wie es weiterging, ist bekannt. Zunächst wurde die neue Grenzzollanlage Zinnwald auf den Erzgebirgskamm geklotzt, dann an der B170 ein Engpass nach dem anderen lasterfreundlich ausgebaut. Und prompt donnerten bald täglich über 2000 Vierzigtonner durch das Osterzgebirge, durch Bannewitz, Possendorf, Karsdorf, Oberhäslich, Dipps, Ulberndorf, Obercarsdorf, Schmiedeberg, Kipsdorf, Bärenburg, Altenberg, Zinnwald-Cinovec und Dubi. Die für 2002 prognostizierten 1400 Lkw wurden weit übertroffen, die Auslastung der RoLa brach dramatisch ein.

Der Himmel verordnete mit Sintflutmethoden eine Denkpause. Die zuständigen Behörden haben diese nur genutzt, die B170 so schnell wie möglich noch breiter, noch transitertauglicher wiederaufzubauen. Die Lasterzahl stieg danach nun noch weiter – die RoLa wird verschrottet. Und unsere Region wird in die Lehrbücher der Verkehrsplaner als Paradebeispiel eingehen für den Lehrsatz: Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten.

Sächsische Zeitung, Sonnabend, 26. Juni 2004

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