Bürgerinitiative B 170 "Lebenswertes Erzgebirge - Heimat erhalten!"

Gästebuch | Forum | Kontakt | Impressum
Presse 2005 | Presse 2004 | Presse 2003 | Presse 2002
aktuelle Aktionen | Aktionen der Vergangenheit | Tour de Natur |
Bürgerinitiative | Bündnis 90/Die Grünen | SPD | PDS | CDU | andere |
Briefe von Bürgern/Initiativen | Briefe von Parteien | Antworten |
0

 

Protest-Blockade gegen die Lkw-Flut auf der B 170
Bürgerinitiativen wollen Regierungen verklagen

Dippoldiswalde/Prag. SPD-Landtagsabgeordnete und Anwohner haben gestern Nachmittag aus Protest gegen den zunehmenden Schwerlastverkehr die Bundesstraße 170 für eine halbe Stunde blockiert.

Der Verkehr auf der viel befahrenen Route von Dresden durchs Erzgebirge Richtung Tschechien kam in Possendorf bei Dresden für eine halbe Stunde zum Erliegen. Mit der Aktion, an der sich laut SPD etwa 200 Menschen beteiligten, sollte auf die hohe Belastung für die Anwohner aufmerksam gemacht werden. Die SPD fordert wie andere Parteien und die "Bürgerinitiative B 170" ein Nachtfahrverbot für Lkws und ein Verbot von Gefahrguttransporten auf der 43 Kilometer langen Straße.

Die PDS-Landtagsabgeordnete Katja Kipping fordert eine strengere Anwendung der Ausnahmen vom Sonntagsfahrverbot. An Sonn- und Feiertagen dürfen von 0 bis 22 Uhr keine Lkws über 7,5 Tonnen und Lkw-Anhänger fahren, sächsische Kommunen erteilen aber jährlich hunderte Ausnahmegenehmigungen, berichtete die "SZ am Sonntag". Gerechtfertigt sind sie eigentlich nur in "besonders dringenden Fällen". Darunter fielen in Sachsen aber auch Kulturveranstaltungen, Umzugstransporte, frische Brötchen oder Schnittblumen. Kipping befürchtet dadurch eine Aufweichung des Sonntagsfahrverbots. Der Verkehrsausschuss des Landtags debattiert heute in einer Expertenanhörung über die Zukunft des Schienengüterverkehrs in Sachsen.

Wegen der Einstellung der "Rollenden Landstraße" (Rola) wollen Bürgerinitiativen im böhmisch-sächsischen Grenzgebiet die Regierungen in Dresden und Prag verklagen. Das sagte der Vorsitzende der tschechischen Erzgebirgs-Organisation, Jindrich Pech, gestern in Prag. Noch Ende 2003 hätten die Regierungen zugesagt, die Rola erst nach Fertigstellung der Autobahn Prag - Dresden einzustellen. Nun solle dies bereits am 19. Juni geschehen, obwohl die A 17 erst 2007 oder 2008 durchgängig befahrbar sei. Dies sei Wortbruch. (SZ/no/dpa)

Der zunehmende Schwerverkehr auf der B 170 beschäftigt die Menschen. Eine Verkehrszählung in Altenberg bestätigte, dass er seit der EU-Erweiterung deutlich angewachsen ist.
Schläfchen auf der Bundesstraße
Die SPD probt die Verkehrsberuhigung im Liegen / B 170 eine halbe Stunde gesperrt

Sommer, Sonne und ein Schläfchen auf der B 170. Gestern machten es sich drei SPD-Landtagsabgeordnete auf dem Possendorfer Asphalt gemütlich. Sie demonstrierten für die Rollende Landstraße.

Christian Eißner

"Es ist ein geiles Gefühl, hier auf der Straße zu sitzen", sagt Torsten Rothe. Der Possendorfer hat ein paar Klappstühle mitten auf der B 170 platziert. Gemeinsam mit Freunden genießt er die Ruhe. Kaum 20 Meter weiter in Richtung Ampelkreuzung richten sich Leute auf Feldbetten häuslich ein. Quer über die Fahrbahn stehen die Liegen. Mit roten T-Shirts und dem Spruch "Nachtruhe ist ein Menschenrecht" demonstriert die SPD für weniger Transitverkehr auf der B 170. Von 16 bis 16.30 Uhr gestern Nachmittag war die Bundesstraße auf Grund der Demonstration voll gesperrt.

Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Simone Raatz, hatte die Ruhepause auf der 170 organisiert. Man wolle damit ein Zeichen in Richtung sächsische Landesregierung senden, erklärt sie. "Es ist völlig unverständlich, dass bei dem Chaos auf der B 170 die Rollende Landstraße eingestellt werden soll." An der Aktion beteiligt waren auch die SPD-Landtagsabgeordneten Karl Nolle und Johannes Gerlach.

Die Lkw, die normalerweise ununterbrochen durch Possendorf brausen, mussten gestern Nachmittag eine Zwangspause einlegen. Und die zahlreich an der Straße erschienenen Possendorfer waren hoch erfreut. "Hoffentlich bringt's was", sagt zum Beispiel Hildegard Grimm. Sie wohnt direkt an der Bundesstraße: "Wir haben das Schlafzimmer zur Straße und können nie ein Fenster öffnen." Seit dem Wegfall der Zollkontrollen am 1. Mai sei der Verkehr schlicht eine Katastrophe.

"Irgendwann kracht es einmal richtig"

Einer, der mit seinem Mercedes-Laster in Possendorf fest saß, war Michael Zschach. "Was hier passiert, ist Schauspielerei", meint er zwar zur SPD-Demo und ärgert sich ein bisschen über die halbe Stunde Arbeitszeit, die ihm verloren geht. Die Sorgen der Possendorfer kann er aber voll und ganz verstehen. Denn der Inhaber eines Abschleppdienstes wohnt in Ulberndorf selbst direkt an der B 170.

Obwohl Brummi-Fahrer, nervt ihn der Transitverkehr genau so wie die anderen Anwohner. "Der ganze Weißeritzkreis geht dadurch kaputt", sagt er. Und: "Ich lade gern mal einen Politiker ein, bei uns zu übernachten." Aber Zschach macht sich nicht nur wegen des Lärms Sorgen. Als Abschlepp-Unternehmer muss er auch nach Unfällen auf der B 170 aufräumen. "Früher oder später", sagt er, "kracht es mal richtig. Die Straße ist einfach nicht für diesen Verkehr ausgelegt."

Gestern sicherten mehr als zwei Dutzend Polizeibeamte die gefährliche Strecke. Dank einer generalstabsmäßigen Planung der Polizei wurden die Brummis bereits im Kaitzer Loch bzw. in Dippoldiswalde gestoppt. Pkw-Fahrer konnten sich eine Umleitung suchen, zum Beispiel über Kreischa oder Freital, standen aber auf Grund des Feierabendverkehrs ebenfalls im Stau - spätestens als sie versuchten, an der Possendorfer Kreuzung wieder auf die B 170 zu gelangen. Zum befürchteten Verkehrskollaps kam es aber nicht. "Es hat wunderbar geklappt", sagt Polizei-Einsatzleiter Herbert Pichlkostner, nachdem er die Straßensperre pünktlich um halb fünf aufgehoben hat. Einziger Zwischenfall: Zwei Notarztwagen bahnten sich kurz vor Schluss einen Weg durch die Menge und vertrieben die Demonstranten für ein paar Sekunden von ihren Liegen.

Ein unnötiger Umweg
Kommentar von Gunnar Saft

Der politische Straßenkampf um die von Lkw-Lawinen verstopften Bundesstraßen in Sachsen geht in eine neue Runde.

Jetzt weisen sich nämlich die Bundesregierung und das sächsische Kabinett auf der einen sowie die im Freistaat regierende CDU und die sächsischen Oppositionsparteien auf der anderen Seite gegenseitig die Schuld für die missliche Lage zu. Dieser Streit selbst ist natürlich keine Lösung, aber er ist ein Teilerfolg. Die anhaltenden Proteste gegen den nervenden und gefährlichen Verkehrsstrom zeigen Wirkung.

Die Verantwortlichen stehen dabei unter einem gewaltigen Erklärungsdruck. Warum blockiert der Bund weiterhin die Mittel für eine neue Ortsumgehung bei Marienberg, die helfen könnte eine Umleitung der endlosen Lkw-Schlangen über den Grenzübergang Reitzenhain für die Bevölkerung erträglich zu machen? Warum beharrt wiederum der Freistaat darauf , für die völlig überlastete B 170 nach Zinnwald kein Nachtfahrverbot auszusprechen und versteckt sich dabei hinter den eventuellen Schadensersatzklagen empörter Spediteure? Warum schimpfen alle Parteien unisono über die unhaltbaren Zustände und machen gerade im Fall von CDU und SPD in ihren Dresdner und Berliner Parteizentralen dann doch nur halbherzig Druck? Nur Schimpfen und auf die Autobahn 17 warten, reicht nicht. Wenn keine Sofort-Lösung möglich ist, muss man zumindest bei den Details zügig handeln.

Sächsische Zeitung vom 09. Juni 2004

Über uns | Site Map | Privacy Policy | Kontakt | ©2005 Bürgerinitiative "Lebenswertes Erzgebirge"