Bürgerinitiative B 170 "Lebenswertes Erzgebirge - Heimat erhalten!"

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Mir wird angst und bange

Ich benutze fast täglich die B 170 und kann nur bestätigen, daß der Schwerlastverkehr seit dem 1. Mai stark zugenommen hat. Wenn ich dann noch in der "Sächsischen Zeitung" lese, in welchem schlechten technischen Zustand viele der Brummis über unsere Landstraßen rollen, wird mir angst und bange.

Das Wirtschaftsministerium weiß doch nicht erst seit Februar, daß die EU-Erweiterung kommt. Irgendwie habe ich den Eindruck, daß dort gedacht wurde, es wird schon nicht so schlimm werden, außerdem ist Dresden ja nicht direkt betroffen. Zu den Lokalterminen in Altenberg haben sich die Vertreter des Ministeriums nicht getraut, die Probleme der Menschen im Weißeritzkreis sind ihnen anscheinend völlig gleichgültig.

Sollen sich doch die Herren Gillo und Flath nur einmal einen Tag lang in Schmiedeberg an die B 170 stellen und Entscheidungen nicht nur am Schreibtisch treffen!

Wenn diese Verkehrslawine so weiterrollt wie bisher, geht das ganze Tourismuskonzept den Bach hinunter. Dagmar Beims, per E-Mail

Fragen an die Verantwortlichen

In vielen Briefen gibt es neben Meinungen auch Fragen an die Politik. So schreibt Ruth Schöne aus Dresden: "Es ist für mich schwer vorstellbar, die ins Leben gerufene Rollende Landstraße, die ja schließlich als ein Wahlversprechen auch von Kajo Schommer vertraglich als Millionensubvention vereinbart war, einfach fallen zu lassen. Weshalb ist es nicht möglich, gemeinsam mit Bund und Ländern zu einer gütigen Einigung und einer Alternativlösung zu kommen und wenigstens bis zur Fertigstellung der A 17 die Rollende Landstraße weiterzuführen? Schließlich gilt für mich dieses Projekt auch als EU Etappe. Weshalb gibt es hierfür keine Fördergelder, um ein umweltfreundliches bzw. verkehrsarmes Erzgebirge zumindest bis dahin zu ermöglichen?" Und Winfried Renz aus Dresden fragt: "An der B 170 sollten bis zur Fertigstellung der A 17 Sonderregelungen, wie Wochenend-, Feiertags- und Nachtfahrverbote sein, auch wenn hier die Landesregierung wenig ausrichten kann. Aber wenn Nachtfahrverbot grundsätzlich möglich ist, warum mahlen die Mühlen so langsam?"

Neue Trasse löst nichts

Die Frage, ob die Brummis noch zu stoppen sind, kennt nur eine Antwort: Nein. Im Gegenteil, der Lkw-Verkehr wird in Zukunft noch stärker zunehmen. In einer Zeit, in der die Bahn bezahlbaren Güterverkehr nur auf den Hauptstrecken anbietet und der somit für immer weniger, vor allem mittelständische Unternehmen sinnvoll ist, bietet der Transport per Lkw die beste Alternative, zumal damit Punkt-zu-Punkt-Verkehr auch geringerer Mengen an hauptsächlich sensiblen Stückgütern wirtschaftlich wird.

Die Auswirkungen dieser Entwicklung, nämlich Schwerlaster an Schwerlaster, bekommen die B-170-Anwohner nun mehr und mehr - verstärkt noch durch die EU-Osterweiterung - zu spüren. Ich habe für die Anwohner, deren Nerven blank liegen, vollstes Verständnis. Erst kürzlich bin ich die B 170 bis zur tschechischen Grenze gefahren und war in gewisser Weise beeindruckt, wie viele Lkws ebenfalls dieses Ziel hatten - in die Gegenrichtung war die Situation logischerweise dieselbe.

Allerdings sehe ich für die nächste Zeit keine echte Möglichkeit, den Zustand merklich zu verbessern. Eine Öffnung des Grenzübergangs in Reitzenhain für den Schwerlastverkehr, wie Herr Gillo vorschlägt, würde das Problem nicht lösen, sondern nur Teile davon verlagern - und zwar ins erzgebirgische Marienberg. Dort quälen sich schon jetzt zahlreiche Schwerlast-Lkws in engen Doppelkurven durch die Altstadt. Eine Öffnung von Reitzenhain hätte zur Folge, dass die ohnehin schon durch diese ebenfalls unerträgliche Situation gestressten Anwohner noch größere Mengen an Verkehr verkraften müssten. Dies würde sicher zu ähnlichen Protesten führen wie jüngst in Dippoldiswalde. Bevor nicht die Marienberger Ortsumfahrung der B 174 gebaut ist, deren Bau ja durch die Maut-Ausfälle auf nicht absehbare Zeit nach hinten verschoben wurde, bringt Entlastungsverkehr der B 170 nur Ärger entlang der B 174.

Und um sich nicht etwaigen Illusionen hinzugeben noch etwas: Es kann niemand ernsthaft erwarten, dass durch die Grenzöffnung von Reitzenhain der Verkehr auf der B 170 auf ein erträgliches Maß zurückgeht. Für Spediteure und Fahrer, welche von der A 13 kommen, ist die kürzeste Route nach wie vor über Zinnwald. Ebenso illusorisch ist es zu glauben, dass Reitzenhain ein alternativer Grenzübergang für die Regionen Decín, Usti nad Labem oder Teplice ist. Auch nach Prag fährt man über Zinnwald immer noch weniger Kilometer. Alle Orte östlich der E 55 / E 50 werden hauptsächlich über Zinnwald und Schmilka bedient werden.

Wer den Lkw-Verkehr etwas genauer beobachtet, der stellt u.a. fest, dass ungefähr ein Drittel der Lkw im Transitverkehr durch Tschechien hindurchfahren dürfte. Davon zeugen immer mehr slowakische und ungarische Fernlaster. Meiner Meinung nach werden sich diese Fahrten nach der vollständigen Öffnung der A 17 auch auf dieser konzentrieren - trotz (geplantem) Mautstart. Denn ein fahrender Lkw verdient trotz kilometerpauschaler Maut immer noch mehr als ein stehender, welcher nur die Lenkzeiten des Fahrers "auffrisst".

Eine neue Trasse als Ausweichmöglichkeit zur B 170 wäre somit völlig kontraproduktiv.

Mirko Lindner, Dresden

Vertane Möglichkeit

Da nützen auch Proteste nichts. Wenn man ein lebenswertes Erzgebirge haben will, muss man einiges beachten.

Erstens. Der Natur und der Umwelt geht es nur gut, wenn es auch dem Menschen gut geht. Wenn kein Geld da ist für die Menschen, kommen auch die Natur und die gesamte Umwelt zu kurz.

Zweitens ist der Einzige, der dieses Geld heranschafft, der kleine Steuerzahler, Pendler, Mittelständler und Unternehmer, der jeden Tag in die Landeshauptstadt und wer weiß wo sonst noch hinfährt. Der wird dann noch durch eine Demo aufgehalten.

Es reicht schon der tägliche Stress auf der B170.

Drittens weiß man, dass der Verkehr sich durch die EU-Erweiterung vervielfachen wird. Da kann man blockieren wie man will, der Verkehr kommt. Es sei denn, der Weißeritzkreis in der Mitte Europas wird zur Schwarzstorch-Zone ernannt und komplett unter Schutz gestellt. Dann möchte ich aber auch hochsubventioniert in die betreute und geschützte Arbeitslosigkeit gehen.

Viertens hätte man nach der Flut die einmalige Möglichkeit gehabt, in ökologisch vertretbarem Maße eine neue Straße zu bauen. Zu diesem Zeitpunkt war mit genügend Druck vieles möglich. Man hätte Umweltschutz, Lärmschutz, Rad- und Fußwege, Brücken für Wanderwege, Leitplanken, Tunnel und Umgehungen für die neue B 170 fordern können. Aber man hat blockiert. Nun sitzt man in Dippoldiswalde auf der Straße und hat über Generationen die selben unlösbaren Probleme am Hals.

Dabei sollte man auch mal überlegen, ob das Signal eines solchen Protestes überhaupt bis Dresden oder sogar nach Berlin dringt.

Jürgen Herbert, Altenberg

In Kürze auf den Punkt gebracht

Es war doch lange bekannt, wann der EU-Beitritt der Tschechischen Republik erfolgt. Wieso ist der Bau der A17 nicht auf diesen Termin abgestimmt? Warum erfolgt nicht wenigstens jetzt eine Beschleunigung des Baus? Die Autobahn ist die einzige Alternative, die in nächster Zeit eine Entlastung der B170 bringt. Die Anwohner sind jedenfalls zurzeit nicht zu beneiden. Ich verstehe deren Zorn und Ärger.

Hier liegt (wieder einmal) totales Versagen der Politik vor.

Dieter Thieme, Dresden

Das Problem der B170 gibt es nicht erst seit der EU-Osterweiterung, sondern schon seit der Wende. Seitdem ist der Schwerlastverkehr stetig angestiegen. Der ständige Lärm kann regelrecht krank machen, ganz zu schweigen von den Schäden an Fahrbahn und Gebäuden, die durch die Dauerbelastung entstehen und ihrerseits wiederum Kosten verursachen. Und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Zumindest so lange die A 17 in Richtung Prag noch nicht fertig gestellt ist. Die RoLa ist da nur ein schlechter Ersatz, zumal sie von der Mehrheit der Spediteure als zu teuer und unflexibel abgelehnt wird. Also heißt es auch in der Zukunft: "Nichts geht mehr an der B 170!" Andreas Heidrich, Görlitz

Es gibt ein einfaches Mittel, die Lkws auf die RoLa zu bringen: marktgerechte Preise für die Beförderung. Das ist besser als leere Züge und volle Straßen. Anstatt die Arme zu heben, sollte das SMWA, welches die Preise festlegt, dort ansetzen. Es ist erstaunlich, dass ein Wirtschaftsministerium die einfachsten Regeln der Marktwirtschaft noch nicht verstanden hat. Thomas Riedel, Hermsdorf

Dieses Problem wäre längst vom Tisch, wenn ein sächsischer Minister / Staatssekretär oder ein hohes Mitglied der Mehrheitsfraktion des sächsischen Landtages direkt betroffen wäre. Ulli Wehnert, Dresden

Ich möchte den Herren Gillo und Flath vorschlagen, doch einmal nur für eine Woche wie wir direkt an der B 170 zu wohnen und zu nächtigen - insofern sie schlafen können. Vielleicht kommt ihnen dann die Erleuchtung, endlich was zu unternehmen. Dafür werden die Herren ja gut genug bezahlt. Eva Gerhard, Altenberg

Aus Gewinninteresse verlagern Firmen ihre Produktion ins Ausland. Aus Gewinninteresse erfolgt der Transport in relativ kleinen Stückzahlen, um Lagerkosten zu sparen. Aus Gewinninteressen versucht die Bahn nicht, diese kleineren Stückzahlen zu transportieren, da sich damit nur wenig Gewinn machen lässt und sie auf den Börsengang vorbereitet werden soll. Zur Förderung des Gewinninteresses dieser Firmen lassen Bundes- und Landesregierung Straßen bauen, statt ein intelligentes Verkehrssystem zu fördern. Dabei ist bekannt, dass, wer Straßen sät, Verkehr ernten wird. Solange also das Gewinninteresse und nicht das Wohl der Menschen entscheidend ist, wird das Prob lem nicht gelöst werden.

Uwe Schnabel, Coswig

Sächsische Zeitung (Leserforum ), 22.05.2004

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