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"Das ist das reinste Chaos"
Transit-Lkws verstopfen die B 170 / Teilweise kilometerlange Staus und Umleitungen im Weißeritzkreis
Von M.Schaks und E.Kamprath

Ein Aufschrei ging gestern durch den Weißeritzkreis: Die Bundesstraße 170 bricht unter der steigenden Lkw-Last zusammen.

"Ich kriege eine Macke", sagt Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten. Als bei ihm bereits am Mittwoch die Telefone Sturm läuteten, Bürger und Hoteliers über Verkehrschaos auf der B 170 klagten, setzte er sich ins Auto. Er wollte einen Kontrollgang in Kipsdorf machen. Doch er kam nicht weit. Die Polizei fischte ihn raus. "Der Bürgermeister als Ortspolizeichef musste über den Waldweg fahren, um in seinen Ortsteil zu kommen", schildert Kirsten.

Was er seitdem auf der B 170 erlebt, verschlägt ihm fast die Sprache. "Das ist das reinste Chaos. Ich werde als Meckerer hingestellt, dabei waren zehn Jahre Zeit, um etwas für ein Verkehrskonzept zu tun", sagt Kirsten. Ihm tun nicht nur die Anwohner leid. Er befürchtet auch schweren Schaden für den Tourismus. "Was wir in den letzten Jahren aufgebaut haben, ist in zwei Jahren wieder kaputt, bis die A 17 fertig ist."

Einreise-Welle vor EU-Beitritt

In den letzten Tagen kollabierte die B 170. Der Bundesgrenzschutz in Zinnwald beobachtet seit etwa einer Woche, dass immer mehr Transit-Lkws aus Tschechien einreisen. Dahinter stecken wirtschaftliche Gründe. Mit dem EU-Beitritt Tschechiens zum 1. Mai ändert sich auch die Mehrwertsteuer im Nachbarland. Wer jetzt noch seine Produkte ausführt, spart Geld, ist von den Grenzbeamten zu hören. Parallel dazu soll sich das Arbeitstempo der tschechischen Zöllner verlangsamt haben. Landrat Bernd Greif spricht von "Bummel-Abfertigung". Angeblich sollen viele tschechische Zöllner blaue Briefe zum 30. April bekommen haben. Das dementiert zwar die tschechische Seite, doch die Räder drehen sich nur schleppend.

Am Mittwoch schließlich ging nichts mehr. Die Polizei musste die B 170 ab Schmiedeberg-Buschmühle in Richtung Grenze für Busse und Pkws dicht machen. Sie wurden über Falkenhain umgeleitet. Die Regionalverkehr Dresden GmbH richtete eine Ringel-Linie ein, um von Altenberg aus die wartenden Fahrgäste auf der abgesperrten Strecke einzusammeln und über die Umleitung doch noch zum Ziel zu bringen.

Die Lkws stauten sich laut Polizei bis zu zehn Kilometer. Ungefähr 500 Schwerlaster sollen auf der B 170 gestanden haben, bestätigt der Bundesgrenzschutz. "Bei uns herrschte Chaos", sagt Karl-Günter Schneider, Schmiedebergs Bürgermeister. Durch den ganzen Ort standen die Transit-Lkws. "Da sehe ich schon die Gefahr, dass Rettungsfahrzeuge und Feuerwehr nicht mehr durchkommen." Sein Amtskollege Christian Zeibig in Bannewitz ärgert sich, dass die Staatsregierung nicht das Kreuz hatte, mal wenigstens vorher einen Ton zu sagen. "Das konnte man doch voraus sehen, dass kurz vor der Grenzöffnung noch mal ein Schwung kommt", sagt er.

Gestern entspannte sich zeitweise das Verkehrs-Chaos, Staus und Umleitungen gab es dennoch. Landrat Bernd Greif trommelte die Verantwortlichen zusammen. Er hatte nämlich selbst erst den kritischen Zustand mitbekommen, als er am Mittwoch im Auto saß. Nun pocht er darauf, täglich von der Polizei eine Verkehrseinschätzung zu erhalten, ebenso Informationen über außergewöhnliche Situationen. Verstärktes Augenmerk gelte dem Raum Bannewitz-Possendorf, damit gar nicht erst die Schwerlaster den Weißeritzkreis verstopfen. "Das können wir nicht tolerieren", so Greif.

Er erwartet, dass sich die Lage ab nächste Woche entspannt. Darauf vertrauen die Bürgerinitiativen nicht und kündigen eine Demonstration für den 13. Mai an.

Sächsische Zeitung, Freitag, 30. April 2004

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