Bürgerinitiative B 170 "Lebenswertes Erzgebirge - Heimat erhalten!"

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Böhmens Wälder sterben

Gefahren kommen nicht mehr von Kohlekraftwerken, sondern aus dem Boden
Von unserem Korrespondenten Hans-Jörg Schmidt, Prag

Malerisch hat sich derzeit dicker Schnee auf die Bäume des Erzgebirgskamms gelegt. Die Gegend jenseits von Zinnwald gleicht einer Märchenlandschaft. Doch die weiße Pracht verdeckt, dass es den Bäumen nach wie vor schlecht geht. Anders als in den meisten Märchen scheint das vom wundersamen Ende des Waldsterbens in Tschechien vorerst kein Happy End zu bekommen. Das Land liegt in der europäischen Rangliste bei den Waldschäden weiter mit ganz vorn.

Schadensbericht sorgt für Ernüchterung

Der jetzt von den Ministerien für Umwelt und Landwirtschaft in der Prager Regierung vorgelegte Waldschadensbericht macht wenig Hoffnung. „Dutzende Jahre wird es dauern, bis sich der Zustand der Wälder bessern wird", heißt der Kernsatz des ernüchternden Dokuments. Dabei hatte man in Böhmen große Hoffnungen in die Entschwefelung veralteter Industrieanlagen, Kohlekraftwerke und Chemiebetriebe gesetzt. Milliardensummen wurden darin investiert. Auf den ersten Blick haben die sich auch ausgezahlt: Der Schwefeldioxid-Ausstoß in der Grenzregion zu Sachsen hat sich im Vergleich zur Mitte der 80er Jahre auf ein Zehntel verringert. Die Zeit der berüchtigten „Dreckschleudern" gehört der Vergangenheit an.

„Doch der Wald stirbt in erster Linie vom Boden her", sagt der Abteilungsleiter für den Schutz der Wälder im Prager Umweltministerium, Tomas Stanek. „Der Boden ist nach wie vor völlig übersäuert und mit giftigen Metallverbindungen belastet. Wir haben vor allem Aluminiumverbindungen festgestellt. Sie machen die weichen Wurzeln der Fichten kaputt. Und wenn die erst einmal angegriffen sind, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der ganze Baum stirbt. Er kann sich gegen nichts mehr wehren, weder gegen Trockenheit und Frost noch gegen Schädlinge." Dem Boden fehle es massiv an Nährstoffen, vor allem an Magnesium. Laut dem Schadensbericht bewegt sich die Übersäuerung der Böden an der „kritischen Grenze der Belastbarkeit des ganzen Ökosystems Wald".

Immer gefährlicher für die Wälder wird auch der zunehmende Autoverkehr mit den von ihm produzierten Stickoxiden. Der verhindere die Selbstregenerierung der besonders schwer betroffenen Gebiete im Erzgebirge, im Riesengebirge, im Iser- und im Adlergebirge, sagen die Experten. Sie fordern eine verstärkte Düngung der Böden, um der Übersäuerung Einhalt zu gebieten.

Zudem wiederholt der Schadensbericht die seit Jahren erhobene Forderung, die anfälligen Monokulturen vor allem der Fichten aufzulockern. Auch in oberen Berglagen müsse unbedingt massiv mit Laubbäumen aufgeforstet werden. Allerdings gebe es das Problem, dass einige Laubbaumarten in diesen Regionen nur schwer Fuß fassen.

Hoffnung auf private Initiative

Hoffnung setzen die Fachleute darauf, dass sich viele Wälder heute schon nicht mehr in der Hand des „armen" Staates befinden, sondern von privaten Waldbauern bewirtschaftet werden. Man gebe denen nicht nur die Ergebnisse der Schadensbeobachtung in die Hand, sondern auch verstärkt Instruktionen, wie mit diesen Schäden umzugehen ist. „Wunder aber erwarten wir nicht", sagt Stanek. „Die dauern etwas länger."

Sächsische Zeitung,17. Januar 2004

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