Bürgerinitiative B 170 "Lebenswertes Erzgebirge - Heimat erhalten!"

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WAS UNS AUF DEN NÄGELN BRENNT: VERKEHRSINFARKT EUROPA - GÜTERVERKEHR AM LIMIT

Seit dem 1. Mai rollen sie in bisher unbekanntem Ausmaß über deutsche, französische, italienische Autobahnen: Trucks aus den neuen EU- Beitrittsländern. Welche Probleme erwarten uns in der EU in den kommenden Jahren im Güterfernverkehr? Welche gesamteuropäischen Weichenstellungen beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur brauchen wir, um den endgültigen Kollaps des Straßenverkehrs beispielsweise in den Alpen zu verhindern? Wie kann die Schiene in der EU zur Entspannung der bedrohlichen Situation beitragen? Der Themenabend in der Reihe "Was uns auf den Nägeln brennt" geht diesen Fragen in verschiedenen Filmbeiträgen nach. In einer Expertenrunde sollen anschließend Lösungsansätze diskutiert werden.
Seit dem 1. Mai rollen sie in bisher unbekanntem Ausmaß über deutsche, französische, italienische Autobahnen: Trucks aus den neuen EU- Beitrittsländern. Der Güterfernverkehr aus Osteuropa hat sich in einigen Regionen mehr als verdoppelt. Die neue Verkehrslawine nach dem Wegfall der Zollkontrollen kam nicht überraschend, aber die EU hat sich darauf in puncto Infrastruktur nicht wirklich eingestellt. Zwar werden europäische Megaprojekte geplant, wie neue schnellere Ost-West Schienenstrecken oder ein Brücke, die Sizilien mit dem italienischen Festland verbinden soll. Aber es gibt nach wie vor die Dominanz nationaler Verkehrspolitiken. Unterschiedliche Signalsysteme bei den Bahnen, verschiedene Stromspannungen, die die freie Fahrt der Züge über Grenzen verhindern. Oder auch in der Schweiz der Vorrang der Schiene im Güterverkehr, der viele Trucks nach Österreich ausweichen lässt, wo sie dann die Alpenpässe verstopfen. Welche Probleme erwarten uns in der EU in den kommenden Jahren im Güterfernverkehr? Welche gesamteuropäischen Weichenstellungen beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur brauchen wir, um den endgültigen Kollaps des Straßenverkehrs beispielsweise in den Alpen zu verhindern? Wie kann die Schiene in der EU zur Entspannung der bedrohlichen Situation beitragen? Der Themenabend in der Reihe "Was uns auf den Nägeln brennt" geht diesen Fragen in verschiedenen Filmbeiträgen nach. In einer Expertenrunde sollen anschließend Lösungsansätze diskutiert werden.
Quelle: http://www.arte-tv.com/de/woche/244,broadcastingNum=407861,day=4,week=38,year=2004.html

Die polnische Nummer
Arte-Themenabend über den Brummi-Wahnsinn auf den Straßen
"Verkehrsinfarkt", Arte Themenabend, 20.40 Uhr.
VON REINHARD LÜKE

Natürlich hat man es kommen sehen. Den zunehmenden Güterverkehr nach der EU-Osterweiterung genauso wie diesen Themenabend. Aber dass es denn gleich so dicke kommen würde… Da ergeht sich Jan Peter gleich zu Beginn seiner Reportage (Die Invasion der Brummis), die den Abend eröffnet, in wahrlich apokalyptischen Schreckensvisionen. "Ein Gespenst geht um in Europa", heißt es aus dem Off, von einer "Invasion von Lärm und Blech" und einer "auf uns zu rollenden Lawine" ist die Rede. Damit nicht genug, wir sollen auch "alle mitverantwortlich" sein.

Doch nach diesem Intro geht der Autor merklich vom Gas und präsentiert eine vergleichsweise erfreulich nüchterne Bestandsaufnahme des Brummi-Wesens in der EU. Und mit dem Trucker Wolfgang aus Dresden hat der Film auch so etwas wie einen Hauptdarsteller, an dessen Arbeitsalltag sich die Probleme des Gewerbes durchaus plausibel aufzeigen lassen. Denn Wolfi (so heißt der Gemütsmensch laut Namensschild hinter der Windschutzscheibe seines LKWs) findet es auch völlig absurd, dass er Torf von Lettland nach Spanien karren soll. Denn natürlich wird auch weit näher an der iberischen Halbinsel Torf gestochen. Aber eben nicht wie in Lettland zu einem Stundenlohn von einem Euro.

Das Gefälle der Produktionskosten und der Umstand, dass die Industrie mit ihrem "Just in Time"-Credo ihre Lagerhaltung quasi auf die Autobahnen verlegt hat, sind eine Seite des aberwitzigen Unwesens, selbst Güter von vergleichsweise geringem Wert kreuz und quer durch Europa zu fahren. Was sich aber nur rechnet, weil gleichzeitig die Transportkosten durch osteuropäische Spediteure mit ihren Dumpingpreisen dramatisch gesunken sind. Was auch dazu geführt hat, dass deutsche Transportunternehmer wie Wolfis Chef einen Großteil ihres Fuhrparks mit polnischen Nummernschildern auf die Reise schicken.

All diese Zusammenhänge dröselt die Reportage ordentlich auf und präsentiert dazu wahre Horror-Bilder von Brummi-Konvois auf engen Landstraßen im Baltikum oder der berüchtigten B 170 im Erzgebirge. Nur wenn der Autor meint, die Textzeile "Ah, look at all the lonely people" aus Eleonor Rigby von den Beatles sei eine originelle Untermalung für müde Trucker in einer Autobahnraststätte, lugt das Kunstgewerbe um die Ecke.

In der anschließenden zweiten Reportage (Die Bahn auf dem Abstellgleis?) des Themenabends geht es um eine Alternative zum Dauerstau, die trotz des Fragezeichens im Titel auf Grund des Kostenniveaus im freien Warenverkehr längst keine mehr ist.

Frankfurter Rundschau 14. September 2004

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