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Hilfe, die Brummer fahren wieder

Ab Montag dürfen auf der B 170 Transit-Lkw ohne Einschränkung rollen /
Staatsregierung schmettert Einwände ab

Von Mandy Schaks

Das Elend ist ab kommenden Montag wieder komplett: Die B 170 wird für den Schwerlastverkehr nach Tschechien frei gegeben, nachdem bereits seit Juli die Lkws aus der Gegenrichtung rollen dürfen. Dabei sind die Flutschäden längst noch nicht beseitigt.

„Es ist mir nach wie vor unverständlich, dass Lkws derzeit überhaupt auf der B 170 fahren dürfen“, sagt Andrea Dombois. Die CDU-Vizepräsidentin des sächsischen Landtages hatte im Juni bis zum Schluss gekämpft, damit die von der August-Flut schwer zerstörte Straße so lange für Transit-Lkw dicht bleibt, bis alle Hochwasserschäden beseitigt sind. Doch nicht einmal ihre Stimme fand bei der sächsischen Staatsregierung Gehör, die der Menschen entlang der Trasse gleich gar nicht.

Sie alle wurden hingehalten und am Ende regelrecht veralbert. Auf Grund der vielen Baustellen und auch der berechtigten Proteste aus der Bevölkerung hatte sich damals zunächst ein Kompromiss angedeutet. Die B 170 sollte nicht wie ursprünglich geplant bereits zum 1. Juli, sondern erst zum 1. September für den Schwerlastverkehr frei gegeben werden. Für Gefahrguttransporte sollte die Sperrung sogar darüber hinaus gelten. Aber über Nacht waren die Verabredungen von Kommunalpolitikern aus dem Weißeritzkreis mit dem Wirtschaftsministerium nichts mehr wert. Schon ab 1. Juli durften urplötzlich wieder Transit-Lkw rollen, wenn auch vorerst nur aus Tschechien. Dabei gab es noch zig Baustellen auf der B 170.

Trotz massiver Kritik aus dem Weißeritzkreis ließ sich die Staatsregierung nicht erweichen, diese Entscheidung zurückzunehmen. Im Gegenteil, bis heute wird das Vorgehen sogar als Erfolg verkauft. Die Regierenden sind allen Ernstes davon überzeugt, „im Sinne der Anwohner gehandelt“ zu haben (Originalton Ministerpräsident Georg Milbradt). Was ist passiert?

Nach SZ-Informationen pochten die Tschechen auf den deutsch-tschechischen Staatsvertrag. Es gab wohl nach der Flut zwischen beiden Seiten die Vereinbarung, den Grenzübergang Altenberg zum 1. Juli 2003 wieder komplett für den Verkehr zu öffnen. Und aus der Nummer kamen die Deutschen offenbar nicht mehr heraus. Vor diesem Hintergrund waren die Politiker schon froh, dass die Tschechen sich auf den Kompromiss eingelassen hatten, den Grenzübergang ab 1. Juli zunächst nur für die Einreise nach Deutschland für den Schwerlastverkehr frei zu gegeben.

Und nun rückt der zweite, den Tschechen zugesagte Termin heran: Ab Montag, dem 1. September, ist auch die Ausreise nach Tschechien für Transit-Lkws wieder möglich. Gebaut wird aber immer noch: am Abzweig nach Sadisdorf, direkt in und noch einmal am Ortsausgang von Schmiedeberg, zählt Dietmar Pietsch, Leiter des Straßenbauamtes Dresden, die Baustellen auf. Zur Beseitigung der Flutschäden kommen zudem noch die Bauarbeiten an der Autobahn Dresden – Prag im Bannewitzer Raum. Das war‘s aber noch nicht. In Schmiedeberg zum Beispiel muss auch im nächsten Jahr weiter gebaut werden – Trink- und Abwasserleitungen, Fuß- und Radweg , Brücken, Stützmauern. . . „Das betrifft etwa zwei Drittel des Ortes“, sagt Bürgermeister Karl-Günter Schneider. „Die Maßnahmen werden sich fast das ganze Jahr hinziehen.“ Und das bei laufendem Verkehr. „Mir graut es schon, wenn ich an den 1. September denke“, so Schneider.

Andrea Fischer, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, räumt zwar ein, dass trotz Hochdruck bei den Bauarbeiten leider noch nicht alle Hochwasserschäden beseitigt werden konnten. Doch an dem Termin wird eisern festgehalten. „Ich kann nur jedem raten, großräumig auf andere Übergänge auszuweichen“, empfiehlt sie. „Die Anwohner können mit dem Pkw als Alternative weiterhin die Hochwaldstraße nutzen.“

Andrea Dombois hat dafür überhaupt kein Verständnis. Sie wandte sich selbst noch einmal an Milbradt – erfolglos. „Die Lkws haben schon jetzt überhaupt keinen Platz. Es ist ein Grausen, und man muss jeden Tag Angst haben, dass da mal was passiert“, sagt sie. Die Staus schieben sich zum Teil hoch bis zum Grenzübergang. Lkw stehen mitunter bis in den Grenztunnel hinein. Pkw-Fahrer versuchen dann, auf der Gegenspur die Kolonne zu überholen. „Da bleibt einem das Herz stehen“, so Andrea Dombois.

Die Tschechen wollen die uneingeschränkte Öffnung des Grenzübergangs am Montag nicht ungeschehen hinnehmen. Nach SZ-Informationen haben Bürger vor, ab 16 Uhr vom Hotel Dubi aus Aktionen gegen den Schwerlastverkehr zu starten. Offen ist noch, ob sie die B 170/E 55 blockieren oder demonstrieren.

Sächsische Zeitung 30. 08. 2003

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