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Container lernen Umsteigen

Ein neu gegründetes Unternehmen in Bautzen will den Güterverkehr auf der Schiene revolutionieren
Von Georg Wenzelburger

Güterverkehr im Jahr 2012 – die Bautzener Cargo-Beamer AG will die Systeme dafür bauen. Animation: Cargo-BeameImmer mehr Lkw rollen über Deutschlands Straßen – die Schiene hingegen führt weiterhin ein Schattendasein im Güterverkehr. Eine neu gegründete Firma aus Bautzen will das jetzt ändern.

Dresden. Klaus-Dieter Gramatke ist kein Märchenerzähler – doch konfrontiert mit der realen Welt von heute klingen seine Sätze wie aus einer anderen Welt. „Bis ins Jahr 2012 wollen wir ein Viertel des Güterverkehrs, der mit Sattelaufliegern transportiert wird, auf die Schiene bringen“, sagt Gramatke voraus. Und: „Wir rollen mit unseren Güterzügen im normalen ICE-Verkehr mit“.

Klaus-Dieter Gramatke ist Aufsichtsratsvorsitzender der Cargo-Beamer AG, die vor wenigen Wochen in Bautzen gegründet wurde. Ihr Ziel: Mit einer neuartigen Technik sollen Container von Lkw auf einen Zug geladen und danach durch ganz Deutschland transportiert werden. „Bei unserem System sind Container wie Passagiere. Sie steigen einfach um – von einem Verkehrsmittel zum anderen“, meint Gramatke.

Im Gegensatz zur herkömmlichen Krantechnik, die in den Container-Terminals der Bahn benutzt wird, setzt Cargo-Beamer auf die horizontale Verladung (siehe Bild und Kasten). „Wir können einen Zug mit 30 Sattelaufliegern innerhalb von zehn Minuten be- oder entladen“, sagt Gramatke.

Containerterminal statt Umgehungsstraße

Neuartig ist aber nicht nur die Technologie, mit denen die Container verladen werden, sondern auch das Geschäftsmodell. „Wir setzen komplett auf Franchising“, erklärt Gramatke. Die Bautzener Aktiengesellschaft verkauft nur ihre Lizenzen für die Technik, anstatt die Verlade-Terminals selbst zu betreiben. Das sollen Kommunen, Unternehmen oder auch Privatpersonen übernehmen. „Eine Stadt wie Grimma wird sich dann überlegen, ob sie eine neue Umgehungsstraße baut, oder ob sie eine Verladestation aufmacht“, erklärt Gramatke. Die Speditieure wiederum zahlen – wie die Passagiere bei der Bahn – für den Transport ihrer Güter.

Der Preis ist für Speditionen günstiger als bisher. Aufsichtsratschef Gramatke rechnet vor: „Heute zahlt ein Logistikunternehmen pro Kilometer etwa 82 Cent plus 12 Cent Mautgebühr – wir hingegen kommen auf einen Preis von etwa 65 Cent“. Eine Rechnung, die mehrfach von unabhängiger Seite geprüft sei, betont er.

Noch ist das freilich Zukunftsmusik. In Bautzen sitzen zurzeit Ingenieure zusammen und entwickeln zwei Prototypen, die im nächsten Jahr erprobt werden sollen. Die Mannschaft, die an Cargo-Beamer beteiligt ist, bringt reichlich Erfahrung mit: Neben Wissenschaftlern von der Technischen Universität Chemnitz und der Hochschule für Wirtschaft und Technik in Dresden sitzen auch Konstrukteure vom Waggonbauer Bombardier mit über den Plänen. Gebaut werden die Verladestationen und Wägen für den Transport der Container. „In den nächsten Wochen geht es dann richtig los“, sagt Detlef Kahl, der dem Bautzener Entwicklungsteam vorsteht.

Zunächst aber wird Geld für den Bau der Prototypen gesammelt. „Wir haben Förderanträge an Bund und das Land Sachsen gestellt und sind hier in sehr guten Gesprächen“, berichtet Kahl. „Und wenn erst einmal der Demonstrator fertig ist und läuft, dann haben noch rund 100 andere Investoren zugesagt, sich finanziell zu beteiligen“, ergänzt Aufsichtsratschef Gramatke.

Im Bundesverband für Logistik (BVL) weiß man um die Aktivitäten in Sachen horizontale Verladung von Gütern. „Entscheidend wird in den nächsten Jahren sein, welches System sich durchsetzt und zum Microsoft des Schienengüterverkehrs wird“, sagt Kai Hoffmann vom Arbeitskreis Schienengüterverkehr des BVL. Eine gute Auslastung sei in jedem Fall sicher: „Die Nachfrage steigt und steigt“.

Ob Cargo-Beamer zum Microsoft im Schienengüterverkehr wird oder ein anderes Unternehmen die Standards setzt, entscheidet sich in den nächsten Jahren. Wenn sich die Ideen der Entwickler auch in den Prototypen als alltagstauglich erweisen, bestehen jedenfalls gute Chancen für die Sachsen – auch Chancen auf Arbeitsplätze. „In den 40 Terminals, die 2012 in Deutschland stehen werden, finden auch wenig ausgebildete Menschen einen Job“, sagt Gramatke. Auch für sie hofft der Aufsichtsrat, dass das Märchen Cargo-Beamer gut ausgeht.

Sächsische Zeitung Freitag, 22. August 2003

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