Bürgerinitiative B 170 "Lebenswertes Erzgebirge - Heimat erhalten!"

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Hart an der Kante rollt der Verkehr an der Baustelle vorbei. Kunden des Nettomarktes müssen sich oft lange gedulden, ehe sie den Supermarkt erreichen.

In der Wüste von Schmiedeberg

Die B 170 ist mitten im Ort aufgerissen / Bauarbeiter heilen die Wunden der August-Flut bei rollendem Verkehr Von Mandy Schaks

Die Ampel springt auf Rot. Wie konnte es auch anders sein. Rot, rot, rot - von Dippoldiswalde bis Schmiedeberg. Also wieder warten an der nächsten Baustelle auf der B 170. Die Sonne brennt unerbittlich. Im Nu verwandeln sich die Autos im Stau in einen Brutkasten. Die Scheiben sind weit herunter geleiert, um ein kühles Lüftchen einzufangen. Vergeblich. Eine Fahrzeugkolonne aus Richtung Altenberg walzt heran, zieht eine Staubfahne hinter sich her. Und Transit-Lkws halten im Vorbeifahren ihren Stinke-Rüssel auch noch geradewegs den wartenden Kraftfahrern unter die Nase.

Endlich. Die Ampel springt auf Grün. Der Erste fährt an. Da wackelt ein Polizist auf der anderen Straßenhälfte mit dem Arm. Winkt der jemandem? Nein, er meint es ernst. Stopp. Die schmale Baustellen-Durchfahrt mitten durch Schmiedeberg scheint wieder mal verstopft zu sein. Die Ampel hüpft erneut auf Rot, dann auf Grün. Doch es rollen immer nur Autos aus dem Gebirge, die Kolonne aus dem Tal hängt fest. Der Polizist müht wieder und wieder sein Sprechfunkgerät. Aber es tut sich nichts. Nach dem fünften Mal lohnt es sich nicht mehr, die Ampelphasen zu zählen. Wer den Mund aufmacht, wird eh bestraft und kaut fortan Sandkörner.Also ruhig und geduldig warten und weiter schwitzen.

Plötzlich geht es los. Der Polizist winkt die Stau-Kolonne durch die Baustelle. Zwischen Bauarbeitern und Autofahrern huscht schnell noch eine junge Frau über die Straße. "Ich muss zur Arbeit", ruft sie im Vorbeigehen. "Ich muss durch die Baustelle gehen. Das ist gefährlich, aber man hat ja keine Wahl." Dominique Zimmermann wohnt dort, wo im Moment eine Fahrbahnhälfte aufgerissen ist. Auf 1 000 Metern Länge wühlen Bauarbeiter im Dreck, verlegen Trink- und Regenwasserleitungen, bauen Gehwege und Parkbuchten, wechseln die Straßenbeleuchtung aus und machen die Straße neu. Erst die eine Seite, dann die andere. Auch Stützwände zur Roten Weißeritz werden neu errichtet. Alles noch eine Folge der August-Flut. Und die Arbeiten dauern - mit Unterbrechungen durch den Winter bis Mai nächsten Jahres. 1,6 Millionen Euro verbuddeln die Bauleute allein an dieser Stelle. Und sie sind dabei nicht zu beneiden. Müssen sie sich doch mit dem Fahrzeugstrom arrangieren, ihre Baufahrzeuge in dem Nadelöhr platzieren.

Und so kommt es, wie es kommen muss: Ein großer Bau-Laster rangiert und hängt mit dem Heck auf einmal über der einzigen Fahrspur. Wieder steht alles. Rudi Seidel aus Schmiedeberg quält sich indes mit dem Fahrrad über ein Stück Dreck, das sich zurzeit Fußweg nennt. "Ich muss dort fahren, denn auf der Straße, das ist ja lebensgefährlich", sagt er. Voll bepackt kommt er vom Einkauf aus dem Netto-Markt und hat Mühe, sich auf der Holperstrecke durchzuackern. "Dass die Transiter jetzt auch noch durchgelassen werden, das ist Wahnsinn", schimpft Rudi Seidel und fragt sich, wer so etwas nur entscheiden kann. "Das wäre auch anders gegangen", ist er überzeugt.

Wenigstens arbeiten seit dieser Woche die Bauleute in zwei Schichten, damit sie schneller vorwärts kommen. Die Schmiedeberger waren sehr verärgert, dass nachmittags halb vier an so einer bedeutenden Großbaustelle der Hammer fiel. Die Kritik zeigte Wirkung, die Baugeräte rattern jetzt bis in die Abendstunden. "Aber was die Leute machen, das ist ordentlich", lobt Rudi Seidel. "Da können wir uns freuen, und wir werden es überleben. Nützt ja alles nichts."

Sächsische Zeitung Freitag, 18. Juli 2003

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