Bürgerinitiative B 170 "Lebenswertes Erzgebirge - Heimat erhalten!"

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Nach langer und hitziger Debatte im Kreistag fiel die Entscheidung am späten Mittwochabend: Die Anwohner entlang der B 170 zwischen Bannewitz und der Grenzübergangsstelle Altenberg sollen durch neue Ortsumfahrungen entlastet werden.

Kreistag: Wir wollen eine neue B 170

Mehrheit stimmt für Straßenbau von Dippoldiswalde bis Altenberg und fordert zugleich Umgehungsstraßen von Bannewitz bis zur Grenze

Geht es nach dem Willen des Kreistages, wird eine neue B 170 zwischen Dippoldiswalde und Altenberg gebaut. Und nicht nur das. Gefordert werden Ortsumfahrungen vom Anschluss der A 17 in Bannewitz bis hoch zur Grenze.

Mandy Schaks

Die Stühle reichten am Mittwochabend im Saal des Dippoldiswalder Landratsamtes nicht aus. Die Menschen standen bis ins Foyer. Das Reizthema B 170 zog Massen an. Wie würde der Kreistag entscheiden? Ist er für oder gegen eine neue Trasse? Das war die große Frage. Und sie wollten bei der Entscheidung mitreden. Der Saal glich einem Pulverfass. Überall standen Transparente der Gegner einer neuen B 170. Die gesamte fast vierstündige Debatte wurde immer wieder von Zwischenrufen, Beifall und höhnischem Gelächter unterbrochen. Landrat Bernd Greif (CDU) machte sich nichts daraus, schenkte von Anfang an reinen Wein ein und musste dafür an diesem Abend von vielen Seiten Kritik einstecken.

Er würde ja gern der Bürgerinitiative zustimmen, die überhaupt keinen Transit-Schwerlastverkehr mehr im Osterzgebirge haben will, sagte er. „Wenn ich nur daran glauben könnte.“ Denn der regionale Verkehr werde durch die EU-Osterweiterung deutlich zunehmen. „Das können wir den Bürgern nicht zumuten. Deshalb wollen wir eine Gesamtlösung auf den Weg bringen wie auch für Bannewitz, Oberhäslich und Altenberg.“

Den Beweis dafür lieferte Bernd Rothe, Bereichsleiter der Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH. „Die B 170 wird auch trotz A 17 weiter eine große Bedeutung haben“, prophezeite er. Es werden nach seiner Einschätzung 2015 genau so viele Fahrzeuge über die Straße rollen wie vor der Flut, wenn nicht noch mehr. „Da kann einem der kalte Schauer über den Rücken laufen“, sagte er, aber offenbar müsse man das hinnehmen.

Einzige Chance: eine neue Straße. „Mit der A 17 geht die Europastraße auf diese Linienführung“, erläuterte Rainer Frenzel aus dem Landratsamt. „Aus jetziger Sicht bleibt die Bundesstraße 170. Wenn es aber dafür eine Alternative geben sollte, dann besteht die Möglichkeit, die B 170 herab zu stufen.“

Das sehen aber die Anlieger, die dann von der neuen Trasse betroffen wären, anders. „Jeder Ausbau bringt nur mehr Verkehr“, sagte Holger Flegel von der Bürgerinitiative. „Was passiert dann mit Altenberg und Bannewitz?“ fragte er. Wer an Umgehungsstraßen auch für diese Orte glaubt und solche Forderungen unterstützt, den nannte er einen Träumer. Denn diese Ortsumfahrungen stünden gar nicht im Bundesverkehrswegeplan. Auch Josef Köhler aus Oberfrauendorf ist überzeugt, „wenn wir zusammenhalten, dann haben wir eine gute Chance, den Transit-Schwerverkehr hier heraus zu bekommen auf die Schiene und die neue A 17.“ – Ohne neue Straße.

Gert Göhler, Gemeinderat aus Schmiedeberg, bat die Kreisräte um Hilfe. „Die Zustände in Schmiedeberg, Ulberndorf, Kipsdorf und Waldbärenburg sind nicht mehr erträglich“, sagte er. „Im Moment beginnt das wieder, was vor der Flut war.“ Schmiedeberg sei durch die Tallage besonders betroffen. „Eine Umgehung für uns muss der erste Schritt sein, folgen muss aber eine Umgehung für Possendorf, Bannewitz, Oberhäslich und Altenberg.“

Diesem Wunsch folgten die Kreisräte und schnürten ein Verkehrspaket. „Uns bietet sich jetzt eine kleine Chance“, sagte CDU-Kreisrat Peter Darmstadt. Nun gehe es darum, die neue B 170 in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes zu bekommen und eine Lösung anzumahnen für die anderen vom Transit-Schwerverkehr betroffenen Orte. „Wir wollen eine Lösung, die langfristig aus einem Guss die B 170 entlastet.“

Mit 36-Ja-Stimmen sprach sich der Kreistag für den Bau von Umgehungen von Bannewitz bis zur Grenzübergangsstelle Altenberg aus. Als ersten Schritt fordert der Kreistag kurzfristig eine neue B 170 zwischen Dipps und Altenberg. Elf Kreisräte stimmten dagegen von PDS, aber auch CDU und SPD. PDS-Fraktionschef Roland Willing: „Ich denke nicht, dass wir mit einer neuen Straße die Probleme lösen.“

Mit Protestplakaten in den Händen verfolgten viele Bürger die Kreistagssitzung über die neue B170 am Mittwochabend.Foto: SZ/Egbert Kamprath

Zahlen und Fakten

Verkehrszählungen auf der B 170 im Jahr 2000 ergaben, dass allein zwischen Ulberndorf und Obercarsdorf täglich im Durchschnitt 13 500 Fahrzeuge unterwegs waren, davon bis zu 1 900 Lkws.

Durch Schmiedeberg rollten noch rund 8 000 Fahrzeuge und durch Zinnwald etwa 5 500.

Mit der A 17 von Dresden nach Prag soll möglichst viel Transit-Schwerverkehr von der B 170 auf die A 17 verlagert werden.

Prognosen bis zum Jahr 2015 gehen davon aus, dass dann täglich etwa 4 000 Fahrzeuge nicht mehr auf der B 170, sondern auf der A 17 fahren.

Zugleich wird aber eine Zunahme des Verkehrs erwartet, u. a. durch die EU-Osterweiterung.

Gerechnet wird damit, dass der überregionale Verkehr bis Istanbul über die A 17 rollt, der regionale Verkehr z. B. aus Teplice und Chomutov in Richtung Dippoldiswalde und Freiberg aber weiter auf der B 170 verbleibt und stark zunimmt.

Nach Schätzungen sind daher im Jahr 2015 etwa genau so viele Fahrzeuge auf der B 170 unterwegs wie vor der Flut, wahrscheinlich sogar noch mehr.

Die neue Trasse der B 170 zwischen Dippoldiswalde und Altenberg wäre 16 Kilometer lang und würde elf Kilometer zusammenhängende Ortsdurchfahrten auf der alten B 170 entlasten.

Der Streckenverlauf ist so gelegt, dass bestehende Straßen mit einbezogen werden und Brücken nicht erforderlich sind.

Die Kosten werden auf 25 bis 30 Millionen Euro geschätzt.

Quelle: Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH)

Sächsische Zeitung (Lokales Dippoldiswalde ), 04.07.2003

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