Bürgerinitiative B 170 "Lebenswertes Erzgebirge - Heimat erhalten!"

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„Das gibt auf jeden Fall Staus“

Die B 170 ist trotz der vielen Baustellen ab 1. Juli wieder frei für den Schwerverkehr aus Richtung Tschechien
Von Barbara Breuer und Regine Schlesinger

Ab 1. Juli rollen wieder Transit-Lkw auf der B 170. Vorerst zwar mit Ausnahme von Tiertransporten nur aus Richtung Tschechien, doch bei rund 20 Straßenbaustellen in den kommenden Monaten zwischen Bannewitz und Altenberg scheint das Chaos trotzdem vorprogrammiert.

Der Bannewitzer Bürgermeister Christian Zeibig kann kaum glauben, dass ab 1. Juli wieder Lkw über die B 170 fahren sollen. Schließlich war er dabei, als Ende Mai während eines Treffens von Bürgermeistern mit Wirtschafts- und Umweltministerium sowie Landrat Bernd Greif (CDU) beschlossen wurde, die B 170 nicht ab 1. Juli, sondern erst ab 1. September für Transit-Lkw zu öffnen. „Es musste nur noch abgeklärt werden, dass auch die tschechische Seite dabei mitmacht“, sagt Zeibig. Er frage sich nun, was die Demokratie überhaupt noch wert sei, wenn das Wort eines solchen Gremiums nicht zählt. Als ignorant den Gemeinden gegenüber empfindet er es, dass er solche Neuigkeiten erst durch die Zeitung erfährt. „Die Leute kommen mit ihren Sorgen zu uns und wir sagen ihnen, es gibt eine Lösung“, erklärt er. Doch am Ende stünden sie wie Lügner da.

„Ich hab‘ mich gekümmert, ich ziehe weg hier“, sagt ein 48-jähriger Bannewitzer, der seinen Namen nicht nennen möchte. Den unmittelbaren Anlieger der B 170 nerven Krach und Abgase. Nun zieht er ein Stück zurück, dorthin wo er die Lkw nicht mehr hören muss. „Ich interessiere mich nicht mehr für Politik. Denn ich habe gemerkt, dass nur die Sachen gehen, die ich selbst in die Hand nehme.“

Zwei Fahrstreifen in Ulberndorf

In Ulberndorf schlug die Weißeritz bei der August-Flut eine tiefe Bresche in die Stützwand. Für den Wiederaufbau benötigen die Bauleute die halbe Straßenbreite. Also heißt es für die Kraftfahrer warten. Wenn die Ampel auf Grün schaltet, rollt in den meisten Stunden des Tages eine lange Fahrzeuglawine entweder hinauf ins Gebirge oder hinunter Richtung Dippoldiswalde.

Kaum vorstellbar, wie schwerfällig sie vorankommen wird, wenn sich darunter auch noch die langen Trucks des Transitverkehrs befinden. „Die vielen Baustellen, der Urlauberverkehr und dann auch noch die Lkw, das gibt auf jeden Fall Staus“, ist der Dippoldiswalder Bürgermeister Horst Bellmann überzeugt.

Dieses Szenario ließ offenbar auch im Straßenbauamt Dresden die Köpfe rauchen. Heraus kam eine Lösung, die den Verkehr flüssiger machen soll. Damit in Ulberndorf wieder zwei Fahrstreifen zur Verfügung stehen, wird am Ärztehaus das zerstörte Gleis der Kleinbahn überbaut. „Der Rückbau erfolgt im Oktober, so dass für den ab 2004 geplanten Wiederaufbau der Bahn keine Nachteile oder Verzögerungen zu befürchten sind“, informiert Amtsleiter Dietmar Pietsch gestern.

Was in Ulberndorf geht, funktioniert aber nicht überall. „Auf uns kommen erhebliche Belastungen zu“, ahnt Schmiedebergs Bürgermeister Karl-Günter Schneider. Drei Ampeln machen schon jetzt die B 170 in Schmiedeberg zur Kriechspur. Schneider befürchtet, dass es selbst dann noch zum Crash käme, wenn die Transiter erst im September anrollen würden, denn bis dahin sind nicht alle Ampeln weg. Wenn auch noch in der Kellerkurve die Bauarbeiten beginnen, kommt es noch dicker. Schneider hofft, dass sich angesichts der Wartezeiten an den Baustellen doch viele Lkw-Fahrer entschließen, wie bisher andere Routen zu wählen.

Die 42-jährige Sinaida Schütz lebt an der B 170 in Schmiedeberg. „Dort wo wir wohnen, wird gerade gebaut. Der Verkehr staut sich jetzt schon, ohne Transiter“, sagt sie. Wenn die noch hinzu kommen, könnte dies die B 170 dicht machen. „Am liebsten wäre es mir, wenn der Schwerlastverkehr gar nicht mehr da wäre“, wünscht sie sich.

Auch Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten ist sehr überrascht davon, dass bereits ab 1. Juli Lkw aus Tschechien über die B 170 rollen sollen. „Wie soll das gehen?“, fragt er. Zurzeit gäbe es in Altenberg nicht einmal genug Platz für Pkw. Auf der Dresdner Straße in Altenberg werden derzeit neue Gasleitungen verlegt. Zwei Ampeln regeln den Verkehr, der streckenweise nur auf eine Fahrspur begrenzt ist. Noch bis Ende August werden sich die Bauarbeiten hinziehen.

„Außerdem muss in Kipsdorf am Grundstück der Bürgerhilfe noch die Brücke gebaut werden“, sagt Kirsten. Dann ist sogar eine zeitlich begrenzte, komplette Sperrung der B 170 vorgesehen. „Wenn die Landesregierung meint, sie weiß es besser, dann soll sie sich auch die Meinung der Leute hier mal anhören“, sagt Kirsten.

Bürger planen den Widerstand

Die Bürgerinitiative „Lebenswertes Erzgebirge“ plant Widerstand gegen die Lkw-Flut. „Wir haben was in petto und werden etwas dafür tun, dass die Lkw nicht fahren“, erklärt der Sprecher der Bürgerinitiative Holger Flegel. Genaueres will er aber nicht verraten. Er habe das Gefühl, die Bürgerinitiative sei seit einem halben Jahr „verarscht“ worden, indem von offiziellen Stellen Falschmeldungen herausgegeben worden sind. „Die einzige Sprache, die die verstehen, ist, wenn man sich auf die Straße stellt“, sagt er.

Jedem sei klar, dass die B 170 mit ihren gegenwärtigen Baustellen so nicht geöffnet werden könne. „Dass es trotzdem geschehen soll, zeigt, was man von den Leuten hier hält“, empört sich Flegel und gibt sich kämpferisch: „Aber egal, wir machen es trotzdem und wir schaffen es auch!“

Sächsische Zeitung, Freitag, 20. Juni 2003

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