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Bäume auf den Acker

Hochwasserschutz: AG Naturgemäße Waldwirtschaft will den Forst umbauen

Die Flut ist weg und bald, das befürchten zumindest die Forstleute, auch die Erinnerung daran. Die Grünröcke fordern, endlich Konsequenzen aus der Katastrophe zu ziehen und den Wald als Hochwasserbremse auszubauen und zu mehren.

von Jörg Stock

André Kubatzsch, Vize-Chef im Forstamt Bärenfels, hatte noch mal seine Videoaufnahmen von der Jahrtausendflut hervorgekramt: Die Kamera streift eine ausgewachsene Fichte, die in Schmiedeberg auf dem zerschlagenen Asphalt der B 170 gestrandet ist. Weder das Wasser noch sich selbst hatte der Baum halten können.

Die Szene resümierte, was das Auditorium, Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft, Landesgruppe Sachsen (ANW) umtreibt. Zu ihrer Frühjahrstagung hatten sie sich am vergangenen Sonnabend im Waldschulheim Wahlsmühle in Schmiedeberg eingefunden, um aus der Flut Schlussfolgerungen für den Waldbau zu ziehen. Frühere Hochwasser, so sagte der ANW-Landesvorsitzende Stephan Schusser, hätten bei Politik und Öffentlichkeit nur Kurzzeitwirkung gehabt. „Die Gefahr ist riesengroß, dass wieder nichts passiert.“

Kern der ANW-Forderung: Die Mono-Fichtenkultur in der Region soll zurückgedrängt werden. Fichten sind Flachwurzler. Sie entnehmen dem Boden nur an der Oberfläche Wasser. Die tieferen Schichten bleiben dagegen feucht und stehen als Wasserspeicher kaum zur Verfügung. Niederschlag fließt also an der Oberfläche ab und gelangt schnurstracks in die Flüsse. Im Forstamt Bärenfels, einem Hochwasserentstehungsgebiet mit zwei Weißeritz-Flussläufen und dem Pöbelbach, wachsen auf tausenden Hektar Fichten im Reinbestand. Mehr als 70 Prozent der Bäume im Forstamtsbereich sind Fichten. „Diese Struktur hat ihre Wurzeln in der Kahlschlagswirtschaft des 19. und 20. Jahrhunderts“, sagte Wolfram Gläser, der Chef des Forstamtes. Er will seinen Wald – insgesamt 9 200 Hektar – in Dauerwald mit unterschiedlichen Gehölzen umwandeln.

Bergmischwald hält und verbraucht mehr Wasser

Die Fichtenbestände sollen mit Buche, Weißtanne und Bergahorn zu Bergmischwälder umgebaut werden, wo auch Bäume unterschiedlichen Alters gemeinsam wachsen. Dieser Bergmischwald gibt bei starkem Regen nur etwa fünf Prozent des Wassers als Abfluss frei, weil er den Boden mit seinen Wurzeln besser erschließt und mehr Wasser durch Verdunstung verbraucht.

Der Wald soll aber nicht nur umgebaut sondern auch vermehrt werden. Ehemalige Ackerflächen will man aufforsten. Doch dieser Prozess kommt nicht recht in Fahrt. Von den 160 Hektar Grünland, für die Landwirte im Bereich des Forstamts Bärenfels eine solche Umnutzung beantragt haben, gibt es erst für 30 Hektar grünes Licht und viele Auflagen. Die Landwirtschaftsbetriebe seien aber gewillt, die Aufforstung vor Gericht durchzusetzen, sagte Gläser.

Als Hemmschuh für die Waldmehrung gelten bei vielen die Naturschützer. Immerhin kann das Amt für Landwirtschaft keine Aufforstungen genehmigen, wenn die Naturschutzverwaltung nein sagt.

Ein Streitpunkt ist die Aufforstung von Bergwiesen. Diese, so sagte Jens Weber von der Grünen Liga in Dipps, seien Zufluchtsorte seltener Pflanzen geworden. „Früher wuchs zum Beispiel auf jeder dritten Wiese Arnika. Heute gibt es vielleicht noch zehn, zwölf Standorte im ganzen Osterzgebirge.“

In den letzten 45 Jahren habe es einen 95-prozentigen Bergwiesenverlust in der Region gegeben. „Ich würde gerne mehr Wald sehen“, beteuerte Weber, „aber auf den großen Ackerflächen, wo die Bodenerosion bei Niederschlag sehr hoch ist.“ Wirtschaftliche Interessen könne man ausgleichen. Verschwände eine Pflanzenart, sei sie für immer verloren. Außerdem, so sagte Weber, könne eine gepflegte Bergwiese sicher genauso viel Wasser zurückhalten, wie ein Bergmischwald.

Dr. Friedhart Werthschütz von der Unteren Naturschutzbehörde des Weißeritzkreises pflichtete bei. „Der Schwerpunkt muss auf der Aufforstung der landwirtschaftlich genutzten Flächen liegen – dort erreichen wir den größten Effekt beim Hochwasserschutz.“

ANW-Landeschef Schusser will die Kräfte für diese Aufgabe bündeln. „Auf einen Grabenkrieg um die Bergwiesen werden wir uns nicht einlassen.“

sächsische Zeitung 26. 05. 2003

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