Bürgerinitiative B 170 "Lebenswertes Erzgebirge - Heimat erhalten!"

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Chance ist noch nicht vertan

Christian Preußcher aus Ulberndorf erklärt zur Diskussion über die neue B 170:

Da haben es nun die Bürgerinitiativen im Weißeritzkreis mit ihren schon fast nicht mehr mit anzuhörenden strittigen Diskussionen geschafft. Vorerst wurde der Neubau der B 170 im Bundesverkehrswegeplan auf Platz 130 verbannt – Glückwunsch! Das gab auch den Raum dafür, dass mal gleich noch einige Landtags- und Bundestagsabgeordnete ihren eigenen Zielstellungen Ausdruck verleihen konnten. So hatte die sächsische SPD mit ihrer Verkehrsexpertin Simone Raatz leichtes Spiel und konnte dafür sorgen, dass das Projekt zurückgestuft wurde.

Auch dem Bundestagsabgeordneten Klaus Brähmig (CDU) scheinen die Interessen der während der letzten Bundestagswahl für seinen Wahlkreis neu hinzu gekommenen Wähler des Weißeritzkreises nicht so sehr am Herzen zu liegen. Er machte sich lieber für eine in seinem bisherigen Wahlkreis liegende Pirnaer Ortsumfahrung stark, wenn gleich auch dort Lösungen von Nöten sind. Auf der Strecke blieben wieder einmal die seit Jahren gebeutelten Bürger im Tal der Roten Weißeritz.

Sehen wir doch den Tatsachen ins Auge: Wir befinden uns in einem paneuropäischen Verkehrskorridor, der von Skandinavien bis auf den Balkan führt. Auf das dort sich entwickelnde, insbesondere auch wirtschaftliche Verkehrsaufkommen werden (leider) weder die Bürgerinitiativen noch die Kommunal-, Landes- oder Bundespolitiker Einfluss haben. Dieser Verkehr dürfte künftig weitaus mehr als 2 000 Lkw pro Tag ausmachen, zuzüglich Pkw- und Regionalverkehr. Dieses Aufkommen ist, auch nach internationalen Verträgen, von den in diesem Korridor befindlichen Autobahnen und Bundesstraßen, dem internationalen Schienenweg und ggf. alternativ dort befindlichen Wasser- und Luftverkehrswegen aufzunehmen. Also ist es notwendig, ganzheitliche Lösungen zur Bewältigung der internationalen und regionalen Verkehrsströme zu finden, die sowohl ökologischen als auch wirtschaftlichen Belangen und nicht zuletzt den Interessen der betroffenen Menschen weitgehend Rechnung tragen. Sicher ist das nur durch Kompromisse möglich.

Der Bau der neuen B 170, mit entsprechenden begleitenden Schutzmaßnahmen, die im Talverlauf der jetzigen Bundesstraße teilweise gar nicht möglich sind, wäre ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn dafür zunächst rund 40 ha Wald geopfert werden müssten. Geholfen würde dabei tausenden Bewohnern im Tal, die jetzige B 170 könnte zurückgestuft werden und würde in dem Sinne nicht mehr Verkehrsträger für den internationalen Wirtschaftsverkehr sein. Lösungen müssten auch für die Bewohner in Bannewitz, Possendorf, Altenberg und jenseits der Grenze in Tschechien gefunden werden, die übrigens vor Jahren zum Teil schon einmal zur Diskussion standen. Dass unser Erzgebirge als Mittelgebirge mit teilweise weniger als 20 Prozent Bewaldung im europäischen Vergleich einen viel zu geringen Waldbestand hat, ist bekannt. Auch im Interesse der Hochwasservorsorge sind somit ohnehin Wiederaufforstungsmaßnahmen in Größenordnungen notwendig. Die Hilfe zur Finanzierung dessen sollte ebenfalls vehement eingefordert werden.

Schließlich sind weitere Alternativen zum Wirtschaftsverkehr auf der Straße zu verfolgen. Solche wären u. a. der Weiterbestand und der Ausbau der Rollenden Landstraße, auch nach Fertigstellung der Autobahn A 17, und die Durchsetzung des in Deutschland gesetzlich geregelten Transports von Gefahrgütern auf der Schiene.

Letztendlich würde ich mir wünschen, dass alle Kräfte im Rahmen des eingangs erwähnten paneuropäischen Korridors sich am Ringen ganzheitlicher Lösungen beteiligen. Die Chancen dafür sind noch nicht vertan! Der Versuch, den Verkehr aus der Region komplett verbannen zu wollen, ist jedoch untauglich. Und eine bloße Abschiebung der Verantwortung in Teilbereichen auf kommunale Entscheidungsträger, wie im Falle der neuen B 170, erscheint mir ebenso nicht der richtige Weg.

Sächsische Zeitung (Lokales Dippoldiswalde ), 05.04.2003

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