Bürgerinitiative B 170 "Lebenswertes Erzgebirge - Heimat erhalten!"

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Die B 170 ist keinesfalls ein Segen

Horst Kittner aus Freital-Hainsberg schreibt zum Beitrag "B 170 - Fluch und Segen", SZ vom 7. Januar, folgendes:

Ich bin der Meinung, dass das Projekt keinesfalls segensreich sein kann und möchte das nachstehend begründen.

Erstens: Der Versiegelung fällt immer mehr Kulturland zum Opfer. Die "Länderarbeitsgemeinschaft Wasser" teilt in einem Flugblatt mit, dass sich die Siedlungs- und Verkehrsflächen in Deutschland seit 1900 von drei Prozent auf zwölf Prozent vervierfacht und allein seit 1950 verdoppelt haben. Das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft berichtet in seiner Druckschrift "Kompakt - Der Wiederaufbau läuft", dass allein in Sachsen täglich eine Bodenfläche von 15 Fußballfeldern dem Straßen- und Siedlungsbau zum Opfer fällt. Eine Enquete-Kommission des 13. Deutschen Bundestages stellte fest, dass in Deutschland täglich 120 Hektar versiegelt werden. Bei einer Hochrechnung auf das Jahr gehen etwa Flächen im Umfang der doppelten Waldfläche des Weißeritzkreises oder die Fläche von etwa zehn landwirtschaftlichen Großbetrieben, der land- und forstwirtschaftlichen Bewirtschaftung pro Jahr in Deutschland verloren. Angesichts dieser Tatsachen hat eine Enquete-Kommission des 13. Deutschen Bundestages unter dem Titel "Konzept Nachhaltigkeit" (Bonn 1998) folgende Forderungen erhoben: "... deutliche Verlangsamung der Umwandlung von unbebauten Flächen in Siedlungs- und Verkehrsflächen: Anzustreben ist eine Verringerung der Umwandlungsrate bis 2010 auf zehn Prozent der Rate, die für die Jahre 1993 bis 1995 festgestellt wurde. Langfristig soll die Umwandlung von unbebauten Flächen in bebaute durch gleichzeitige Erneuerung (Entsiegelung u. a.) vollständig kompensiert werden." Es ist daher berechtigt, die verantwortlichen Politiker des Weißeritzkreises zu fragen, wann und wie sie den Forderungen der Enquete-Kommission, die auch vom Sächsischen Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft vertreten werden, nachkommen wollen. Der Schwur, das soll die letzte große Sünde sein, ist wenig glaubhaft.

Zweitens: Auf einer Sitzung unseres Kreistages etwa 1995 wurde uns hoch und heilig versichert, dass mit dem Bau und der Inbetriebnahme der Autobahn A 17 alle Probleme auf der B 170 gelöst sein werden. Das wurde verkündet, obwohl seriöse Untersuchungen der Hochschule für Verkehrswesen Dresden Gegenteiliges aussagten. Ein Konzept für Verkehrsverlagerung und Verkehrsvermeidung, das nicht bloß aus Absichtserklärungen besteht, ist mir bis heute nicht bekannt. Im Gegenteil: Es wird erneut verkündet, dass z. B. die rollende Landstraße mit der Inbetriebnahme der Autobahn eingestellt wird. Vielmehr wird die weitere Zunahme der Verkehrsströme auf der Straße verkündet, was bedeutet, dass weder B 170 alt, noch B 170 neu die erwarteten Entlastungen bringen können. Nicht das Hochwasser ist demnach der Grund für den Bau der "Entlastungsstrecke", sondern die Sorge um künftiges Verkehrschaos infolge der Verkehrspolitik im Interesse der Auto- und Öllobby. Es ist daher berechtigt, die verantwortlichen Politiker des Weißeritzkreises zu fragen, wann sie damit beginnen wollen, nicht nur mit bloßen Absichtserklärungen für eine Wende in der Verkehrspolitik einzutreten und mit allen politischen Mitteln Verkehrsvermeidung und -verlagerung zu fordern. Vergleicht man die schönen Worte von 1995 mit den Taten von 2002, dann muss man leider feststellen, dass die Erklärungen von 1995 nichts weiter wie Zwecklügen waren.

Drittens: Die Aussagen der Bürgermeister im Artikel atmen den Geist von Sankt Florian (Heiliger Sankt Florian, verschone mein Haus, zünde andere an"). Wenn für Schmiedeberg die Gestaltung einer Flaniermeile auf der B 170 alt im Interesse der Tourismusförderung erwartet wird, was ohnehin ein Irrglaube ist, dann wird mit keinem Gedanken erwogen, dass Bannewitz, Possendorf, Oberhäslich und Altenberg im Verkehr ersticken werden. Oder, was ich eher glaube, hat man etwa insgeheim unterstellt, dass zwangsläufig Ortsumgehungen für diese Gemeinden als unvermeidbare Folgeinvestitionen sowieso kommen werden. Denn Felder und Wälder sind ja noch "genügend" vorhanden. Es ist deshalb berechtigt, unsere verantwortlichen Politiker zu fragen, ob sie den Possendorfern, Bannewitzern, Oberhäslichern und Altenbergern das zumuten wollen? Ein Ja wäre mit Sicherheit eine neue Zwecklüge, nicht verantwortbar! Ein Nein zur "Entlastungsstrecke" ist deshalb die einzige Alternative, damit man vermeidet, sich in weitere Zwecklügen zu verstricken.

4. In der SZ vom 9. Januar habe ich auf die Notwendigkeit hingewiesen, das Versickerungspotential unserer Landschaften zum Zwecke des Hochwasserschutzes besser zu nutzen. Dazu wäre es notwendig, den Grad der Versiegelung in unseren Landschaften zu erheben. Gleichzeitig sollten Vorschläge zur Entsiegelung und zur Ableitung des Regenwassers von versiegelten Flächen aller Art (einschließlich Dachflächen, Unterbodenverdichtungen etc.) in Versickerungsanlagen erarbeitet werden. Und das alles in Zusammenhang mit vielen weiteren Maßnahmen zur Steigerung des Wasserrückhalts in unseren Landschaften. Ich frage die verantwortlichen Politiker des Weißeritzkreises, ob sie ein solches Vorhaben unterstützen werden - sozusagen als eine nicht unwichtige Alternative zum Versiegelungswahnsinn. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass dann kein Raum mehr bleibt für Versiegelungsprojekte aller Art, zumindest soweit nicht das Niveau "Entsiegelung gleich Versiegelung" erreicht werden kann.

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