Bürgerinitiative B 170 "Lebenswertes Erzgebirge - Heimat erhalten!"

Gästebuch | Forum | Kontakt | Impressum
Presse 2005 | Presse 2004 | Presse 2003 | Presse 2002
aktuelle Aktionen | Aktionen der Vergangenheit | Tour de Natur |
Bürgerinitiative | Bündnis 90/Die Grünen | SPD | PDS | CDU | andere |
Briefe von Bürgern/Initiativen | Briefe von Parteien | Antworten |
0

 

Geduldig wie die Lämmer

Dirk Stefan aus Schmiedeberg spricht sich für die neue B 170 aus:

Die Anwohner der B 170 können sich noch an das Verkehrschaos vor der Flut erinnern. Damals liefen erste Protestaktionen, um nicht in noch mehr Verkehr zu ersticken. Als erste Maßnahmen sollten die Gefahrgutlaster auf die Rollende Landstraße verbannt werden. Der Wortlaut damals: Eine Lösung wird in Aussicht gestellt, Ende 2002 soll die B 170 für Gefahrgut-Lkw gesperrt werden. Außerdem wurden wir bei Bürgerversammlungen von Herrn Pfeiler (Verkehrsbehörde des Weißeritzkreises) beruhigt, dass nur etwa zehn bis 15 Lkw mit Gefahrgut die Grenze Richtung Tschechien passieren. Nun stellt Landrat Greif fest, dass es doch täglich 150 Gift-Lkw waren, die durch unsere Orte rollten. Eine Streckensperrung für Gefahrgut-Lkw wird es auch nicht geben.

Durch die Flut wurden unsere Orte schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Auswirkung der Wassermassen wurde durch den übermäßigen Ausbau der B 170 und den damit verbundenen Eingriff in das Weißeritzbett verschlimmert. Das Wasser suchte sich seinen Lauf und zerstörte unsere Häuser und auch die Bundesstraße. Wir waren und sind noch beschäftigt, unsere Häuser wieder aufzubauen, da forderte schon ein Bürgermeister einer Bergstadt, welcher zuvor vehement gegen den Schwerlastverkehr auf der Bundesstraße kämpfte, den sofortigen Wiederaufbau der B 170. Die Straßenbaubehörde begann auch damit. Anstatt aus den Erkenntnissen des Hochwassers zu lernen, d. h. Absenkung des Fahrbahnniveaus und Verschmälerung der Fahrbahn zu Gunsten des Bachbettes, wurde die Straße noch verbreitert. So bekam der Abzweig nach Schellerhau noch eine Linksabbiegespur.

Anscheinend wurde von der Landesregierung richtig erkannt, dass diese B 170 den jetzigen und bald kommenden Verkehr nicht verkraften kann. Prognosen rechnen mit etwa 4 000 Lkw pro Tag in den nächsten Jahren. Was dies für uns bedeutet, darüber mag man am liebsten gar nicht nachdenken. Es steht jedoch fest, dass der Lkw-Verkehr über den Grenzübergang Altenberg auch nach Fertigstellung der Autobahn nicht deutlich zurückgehen wird. Also wurde eine Ersatztrasse über den Hochwald geplant. Ideen dazu gab es schon im Dritten Reich für die damalige Reichsautobahn.

Die jetzigen Planungen sind für uns lärm- und abgasgeplagte Anwohner ein Lichtblick. Aber plötzlich laufen Grüne und Anwohner der umliegenden Orte Sturm. Bedenkt man, dass die neue Trasse an Ortschaften vorbei und nicht wie bei uns mittendurch führt - ein völlig überzogenes Ansinnen. Bei einem Neubau werden alle Regelungen des Umwelt-und Immissionsschutzes eingehalten. Der gerodete Wald kann aufgeforstet werden. Für uns ist dieser Neubau die einzige Chance, nicht im Verkehr zu ersticken. Die Grünen-Gruppen, die uns bei unserem "Kampf" gegen das Lkw-Chaos unterstützten, versuchen jetzt, den Neubau der B 170 zu verhindern. Jener Gruppe gelang es auch, die Zulässigkeit einer Klage gegen die dritte Ausbaustufe der A 17 zur Grenze nach Tschechien zu erstreiten.

Wenn man sich diese Punkte objektiv anschaut, müsste sich bei uns Anwohnern sofortiger Protest regen. Doch was machen wir? Geduldig wie Lämmer, die zur Schlachtbank geführt werden, warten wir ab und hoffen, dass der Neubau der B 170 doch noch erfolgt. Wir sind uns anscheinend zu bequem, um für ein lebenswertes Wohnen in unseren Orten einzutreten. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass zwischen Dippoldiswalde und Altenberg nur zwei Protestplakate das Hochwasser überlebt haben. Neue Plakate mit einem Inhalt für den Ersatzneubau der B 170 oder gegen eine Öffnung der alten B 170 für Lkw Richtung Tschechien konnte ich nirgendwo sehen.

Eins steht jedoch fest, das Ansinnen, den Lkw-Verkehr aus dem Erzgebirge zu verbannen, ist illusorisch. Wenn wir uns jetzt nicht wehren, werden wir bei bis 4 000 Lkw pro Tag in Lärm und Abgasen ersticken. Rollt erst der Lkw-Verkehr, ohne dass eine Entlastung der Anwohner der B 170 beschlossen wurde, dann ist diese Chance vertan. Hoffentlich werden wir dann nicht noch von den Gegnern der neuen Trasse verspottet, weil wir uns nicht gewehrt haben.

Sächsische Zeitung, Samstag, 4. Januar 2003

Über uns | Site Map | Privacy Policy | Kontakt | ©2005 Bürgerinitiative "Lebenswertes Erzgebirge"