Bürgerinitiative B 170 "Lebenswertes Erzgebirge - Heimat erhalten!"

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Freie Bahn ins Osterzgebirge

Auf der B 170 scheint alles fast so wie immer - aber noch längst sind nicht alle Schäden auf und entlang der Straße beseitigt

Steffen Klameth

Der Schneepflug hatte ganze Arbeit geleistet. Keine Schneewehen, kein Glatteis - wer nach dem spontanen Wintereinbruch am letzten Tag des alten Jahres ins Osterzgebirge fahren wollte, konnte das auf der Bundesstraße 170 notfalls sogar mit Sommerreifen tun. Und sie kamen gerollt, die Autos aus Dresden und Berlin, aus Riesa und Hannover, bepackt mit Ski und Schlitten. Für einen Tag, über den Jahreswechsel, zum Winterurlaub - wie immer. Als ob nichts geschehen sei.
Und ob etwas geschahen war. Die Fluten der Roten Weißeritz hatten der Transitstrecke im August so heftig zugesetzt, dass tagelang keine Autos mehr fahren konnten. Stellenweise war die Straße völlig weg, fehlte eine Fahrbahn oder es taten sich Risse auf. Nach einer ersten Bestandsaufnahme schätzten die Experten die Schäden auf etwa 25 Millionen Euro; ob das reicht oder eher übertrieben wurde, muss sich noch zeigen. Fest steht: Für die Instandsetzung wurde bisher erst ein Zehntel der Schadenssumme benötigt. Weitere reichlich eine Million Euro seien für dieses Jahr bereits vertraglich gebunden, sagt Dietmar Pietsch. Der Leiter des Dresdner Straßenbauamtes ist regelmäßig auf der Piste, und immer hat er - wie seine Mitarbeiter - eine kleine Digitalkamera am Mann. Die Schnappschüsse gehen mittlerweile in die Tausende - eine einmalige Dokumentation über den Wiederaufbau der zerstörten Straßen im so genannten Schadensgebiet.
Viele Wochen ging es nur auf Umwegen in die Berge
Heute ist schon wieder fast vergessen, dass Autofahrer über Wochen nur auf Umwegen nach Altenberg gelangten - über Frauenstein und Rehefeld oder Oberhäslich und Falkenhain. Für die Einheimischen hatten die Verbotsschilder zwar bald die abschreckende Wirkung verloren. Doch immer wieder passierte es, dass ein Abschnitt über Nacht wieder ganz gesperrt war. Oder - wie Anfang November - sogar für mehr als eine Woche. Damals sollte die Straße eigentlich schon für alle Fahrzeuge - mit Ausnahme von Lkws - durchgängig befahrbar sein. Tatsächlich dauerte es noch bis 11. November.
Seitdem geht es auch in der "Riedelmühle" in Waldbärenburg wieder lebhafter zu. Die Flut hatte das Gasthaus weitgehend verschont, dafür litt es wie viele Gaststätten und Herbergen unter dem anschließenden Besucherschwund. Die Schuld gibt Inhaber Wilfried Ziegs auch den Leuten vom Straßenbau; schließlich hätten sie wenigstens die Zufahrt aus Richtung Altenberg freigeben können. Und mit der Stadtverwaltung hadert der Gastwirt, weil sie den einzigen öffentlichen Parkplatz in Waldbärenburg nicht mal provisorisch wieder hergerichtet hat, so dass nun alle ihre Autos an der "Riedelmühle" abstellen und die eigenen Gäste mitunter das Nachsehen haben. Immerhin: Die Gäste kommen wieder. "Über die Feiertage hätten wir tausend Betten haben können", meint Ziegs. Im Januar hat er noch ein paar Sportler im Haus. Doch dann, so befürchtet er, beginnt wieder eine Durststrecke. Es sei denn, der Winter lockt die Leute zuhauf ins Gebirge.
Das hofft auch Karin Strehle in Ulberndorf. Am 12. August war die Rote Weißeritz durch ihre "Frankenmühle" gerauscht; 17 Tage später schloss sie die Gaststube wieder auf - noch ohne Gas, ohne Warmwasser. "Es muss ja irgendwie weitergehen", machte sie sich damals Mut. Es ging weiter, Schritt für Schritt. Längst hat der Saal ein neues Parkett, die Silvesterfeier war ausverkauft. Die Bauarbeiter wird Frau Strehle aber so schnell nicht los: Nächste Woche wird die Kellerdecke rausgerissen, auch die Gaststube erhält einen neuen Fußboden. In vier Wochen, hofft die Wirtin, ist alles überstanden.
Das Prinzip Hoffnung hat die Menschen nach dem Hochwasser aufgerichtet, es hält auch Monate später das Leben in Gang. Als wir Anfang Oktober Mathias Rettberg in seinem Autohaus in Schmiedeberg besuchten, schien das Wichtigste schon geklärt: Der zerstörte Verkaufspavillon sollte abgerissen werden, die Versicherung wollte für den Schaden einstehen. Inzwischen streiten sich die Gutachter, ob das Glashaus nicht vielleicht doch zu retten ist, obwohl das Fundament unterspült war und die Stahlkonstruktion verzogen. Und die Versicherung will nur den Zeitwert ersetzen. Aber was soll´s - wer konnte überhaupt eine Versicherung gegen das Hochwasser vorweisen? Mathias Rettberg lässt sich jedenfalls nicht unterkriegen. Die Verkaufshalle wird gebaut, ob neu oder in aufwändiger Reparatur. Und weil man vom Autohandel allein längst nicht mehr leben kann, wird auch die Werkstatt auf der anderen Straßenseite vergrößert.
Chancen für Verlegung
der Transitstrecke sinken
Der Schnee der letzten Tage hat viele Wunden zugedeckt, die die Flutwelle im Weißeritztal gerissen hatte. Noch ist viel zu tun, auch an der Bundes- und Europastraße. Wo Fluss und Straße direkt aneinander grenzen, hat es Stützmauern unter- oder fortgespült; an diesen Stellen, beispielsweise in Ulberndorf und Schmiedeberg, bleibt nebeneinander kein Platz mehr für zwei Lkws. Aus diesem Grund ist die Trasse nach wie vor für den Transitverkehr gesperrt. Manche Anwohner glauben bereits, dass dieser Zustand bis in alle Ewigkeit anhält. Doch das ist ein Trugschluss: "Die Lkws kommen wieder, sobald die Straße fertig ist", sagt Burkhard Zscheischler, Pressesprecher im Wirtschaftsministerium.
Den einzigen Ausweg sehen die Verkehrsstrategen im Moment in einer Verlegung der B 170 zwischen Dippoldiswalde und Abzweig Oberbärenburg. Vermesser haben die hochwassersichere Strecke bereits abgesteckt, die Bundesregierung sicherte die Finanzierung zu. Aber kaum waren die Pläne im November bekannt geworden, formierte sich die Bürgerinitiative "Lebenswertes Erzgebirge". Nachdem auch noch Umweltminister Steffen Flath (CDU) in die Protestrufe einstimmte, wurde es merklich stiller um das Projekt. Zscheischler: "Wenn der Widerstand zu groß wird, lassen wir´s eben bleiben."

Sächsische Zeitung 03.01.2003

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