Bürgerinitiative B 170 "Lebenswertes Erzgebirge - Heimat erhalten!"

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Asphalt bitte, für die nächste Flut
Sachsen plant neue Straße mitten durch Naturschutzgebiet im Erzgebirge. Die alte Trasse hatte Hochwasser weggerissen. Bedarf aber mehr als fraglich. Denn parallel dazu wird bereits Autobahn gebaut. Dennoch: Bund hat Gelder schon zugesagt
aus Dresden MICHAEL BARTSCH

"Verbrechen!" Mit diesem Wort empört sich Steffen Altmann über Sachsens Staatsregierung. Die erwägt im Osterzgebirge, die Bundesstraße 170 aus dem Tal auf eine hochwassersichere Trasse über den Bergkamm zu verlegen. Altmann gehört zu den Anliegern aus fünf Orten zwischen Dippoldiswalde und Altenberg, die sich nach Bekanntwerden der Pläne vor wenigen Tagen spontan zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen haben.

Auf der im Tal der Roten Weißeritz verlaufenden Trasse hatte das Augusthochwasser mehrere hundert Meter Straße weggerissen. Hier wälzt sich sonst eine seit Jahren anschwellende Lawine von Lkw über den Erzgebirgskamm nach Tschechien. Anlieger protestierten bereits in den Neunzigerjahren in der Touristenregion gegen Lärm und Dreck. So konnten sich die Befürworter - sie saßen vor allem im sächsischen Wirtschaftsministerium - einer fast parallel laufenden Autobahn A 17 nach Prag durchsetzen. Denn die argumentierten: Ist die Autobahn 2005 fertig, verschwindet der Schwerlasttransport aus dem Tal.

Betroffene wie Steffen Altmann sehen in den gegenwärtigen Plänen nur ein lange abgekartetes Spiel. Das Hochwasser liefere nur den willkommenen Anlass. So sagt Sachsens Wirtschaftsminister Martin Gillo jetzt, die Autobahn würde den Schwerlastverkehr ohnehin nur zu zwei Dritteln vermindern. Paradox: In Zinnwald im Erzgebirge wurde trotzdem schon mal für 40 Millionen Euro eine neue Grenzabfertigungsstation errichtet, um den Transitverkehr in den Griff zu bekommen.

Für die Verlegung der Bundesstraße wird nun nach dem gleichen Muster geworben: Die alte Trasse werde entlastet. Und wie bei der Autobahn ziehen Ministerium und das Dresdner Straßenbauamt alte Pläne aus dem Jahr 1938 aus der Tasche. Veranschlagte Baukosten für die 16 Kilometer entlang der uralten "Hochwaldstraße": lächerliche 25 Millionen Euro.

Bei weitem nicht die wahren Kosten. Denn den eigentlichen Preis zahlen das durchschnittene Landschaftsschutzgebiet, zwei FFH-Gebiete und ein geplantes Naturschutzgebiet, zahlen die Dorfanwohner und die Reste von Tourismus und Wintersport, die sich in der einstigen DDR-Urlaubergegend erhalten haben. Jens Weber von der Grünen Liga Osterzgebirge kann nicht fassen, dass man so kurz nach dem Hochwasser schon wieder 500 Hektar versiegeln und die mühsamen Aufforstungen gefährden will.

"Asphaltpoltiker und Betonbehörden wiederholen die Fehler der Vergangenheit dreifach!" Weber sieht den Beweis erbracht, dass immer mehr Straßen - alte Trasse, neue Trasse, Autobahn - auch immer mehr Verkehr anziehen. Besser sollte nur die vorhandene B 170 mit den dafür vorgesehenen Bundes- und EU-Mitteln hochwassersicher ausgebaut werden.

Doch der Bund hat die Gelder schon zugesagt. Und der Kreistag des Weißeritzkreises ersuchte die Staatsregierung einstimmig, Alternativen für die Talstraße zu suchen. Das Votum ihrer Kreisgenossen verärgerte die PDS-Landtagsfraktion. Ein gutes Gewissen scheint bei der Aktion niemand zu haben: Vermesser erschienen heimlich, Bürgermeister erhielten nach Angaben der BI Sprechverbot, der Straßenbau soll bis Ende 2004 ohne Planfeststellungsverfahren mit Mitteln der Hochwasserhilfe durchgepeitscht werden.

taz Nr. 6924 vom 7.12.2002, Seite 8, 112 Zeilen (TAZ-Bericht), MICHAEL BARTSCH

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