Bürgerinitiative B 170 "Lebenswertes Erzgebirge - Heimat erhalten!"

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Allerfeinster Dreck
Beitrag im "Grünen Blätt'l" , März 2005

Europäische Städte haben ein Problem - vorerst vielleicht nur theoretisch. Bald kann für viele aber zur bitteren Realität werden: Seit 1.1.2005 gelten neue Feinstaub-Grenzwerte nach der "Ersten Tochterrichtlinie zur EU-Rahmenrichtlinie zur Beurteilung und Kontrolle der Luftqualität". Diese beiden, nun verbindlichen, Richtlinien wurden zwar schon 1996 und 1999 beschlossen und im Herbst 2002 von der Bundesregierung mit der Novellierung der 22. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) in nationales Recht umgesetzt. Aber die für ihre einhaltung zuständigen Städte und Landkreise haben sie offenbar bislang ignoriert. Wie es heutzutage so usus ist: wenn Probleme auf einen zukommen, schnell den Kopf in den Sand stecken und warten, bis sie einen überrollen.

Dabei haben es die neuen Grenzwerte wirklich in sich, vor allem die für Feinstäube mit Partikelgrößen bis 10 Mikrometer (PM 10), also solche mit Durchmessern kleiner als 0,01 mm. Im Jahresmittel dürfen davon nicht mehr als 40 Mikrogramm pro Kubikmeter in der Luft rumschweben. Schon das ist für manche smoggeplagte City ein Problem. Aber es kommt noch besser: ein 24-Stunden-Wert von 50 μg/m 3 darf maximal an 35 Tagen im Jahr überschritten werden. Einige Städte in Deutschland sollen sich schon jetzt bald dieser Marke nähern.

Und dann? Dann müssen die Kommunen sogenannte Luftreinhaltepläne aufstellen und Maßnahmen treffen, die zur Reduzierung der Feinstaubkonzentrationen führen. Das Mittel der Wahl dürfte in den größeren Städten sicher die gleichmäßigere Verteilung des Verkehrs sein. Weg von den Hauptstraßen, ab in die Nebengassen. Denn vom Straßenverkehr, speziell den Dieselfahrzeugen, kommt mittlerweile der überwiegende Teil des gefährlichen Feinstaubs. Die winzigen Teilchen durchdringen mühelos das Lungengewebe, führen im menschlichen Körber zu Krebs, Herz-Kreislauf- und anderen schlimmen Krankheiten. Vor allem verfrachten sie an ihrer enorm großen Oberfläche auch Gifte wie PAKs (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe) und Schwermetalle in unser Inneres.

Besonders gewaltige Ruß- und Schwebstaubschleudern sind nach wie vor die Diesel-Lkw. Die Abgasnormen Euro 1 bis Euro 4, letztere allgemein als ziemlich streng angesehen, haben da kaum Abhilfe geschaffen - ja, das Problem paradoxerweise sogar noch verschärft. Diese "Euro-Normen" begrenzen nur die Gesamtstaubmasse im Abgas. Den Löwenanteil an der Masse nehmen dabei - logisch - die großen und deshalb schwereren Teilchen ein. Sicher auch das kein besonders bekömmliches Zeug, aber wir haben da immer noch die Chance, den groben Staub wieder auszuhusten. Das geht beim Feinstaub nicht. Gröbere Partikel neigen dazu, die kleineren anzuziehen, quasi aufzusaugen, und somit deren Konzentration zu verringern. Die bislang eingesetzten technischen Maßnahmen in und hinter den Motoren reduzieren nun aber vor allem die groben Abgaspartikel, die kleineren, nicht wahrnehmbaren marschieren ungehindert durch. Ähnlich verhält es sich wohl auch bei Kraftwerksfiltern.

Also schto djelatsch? Die Autoindustrie sträubt sich gegen effektive Dieselrußfilter wie weiland gegen den Kat. Abgesehen von paar französischen Modellen ist damit in den nächsten Jahren nicht zu rechnen, schon gar nicht in den 40-Tonnen-Dreckschleudern. Die großen Städte setzen, wie gesagt, auf Verkehrsverteilung. Das böse Wort Verkehrsbeschränkung hängt als unheilverkündendes Menetekel schon an so manchem rußigen Großstadthimmel.

Und was ist entlang von Transitachsen wie der B 170? Ein ganz heißen Eisen! Offenbar mag sich von den Verantwortlichen niemand die Finger daran verbrennen. Am besten, man mißt hier gar nicht erst. Das Luftmeßnetz des Sächsischen Landesamtes für Umwelt und Geologie erfaßt zwar diverse Luftschadstoffe an der Wetterstation Zinnwald (oberhalb und ausreichend weit westlich von der B170 gelegen), aber eben keine Feinstäube. Eine relativ neue Meßstelle - mit Feinstauberfassung - befindet sich in Dresden an der Bergstraße. Unter http://www.umwelt.sachsen.de/de/wu/umwelt/lfug/lfug-internet/luft-laerm-klima_1468.html kann man sich auch die Werte anschauen, heute und gestern und vorgestern z.B. lagen sie deutlich über den Grenzwerten (und das, obwohl da seit Fertigstellung der A17-Anschlußstelle Bannewitz ja kaum noch Transiter langfahren!)

Da ist in den engen Talorten wie Schmiedeberg an der B170 mit ziemlicher Sicherheit davon auszugehen, daß auch hier die zugelassenen 50 μg/m 3 sehr häufig überschritten werden. An der Dresdner Straße in Freital oder in Tharandt dürfte das übrigens genauso akut sein.

Luftreinhaltepläne? Doch nicht im Weißeritzkreis!
Allerdings sollen diese verbindlichen Maßnahmenpläne gerichtlich einklagbar sein. Wenn man sich auf verläßliche Daten berufen kann. Insofern wäre es extrem wichtig, eine oder besser mehrere Meßstationen an der B 170 zu bekommen. Das können wir von den Verantwortlichen freilich fordern, aber dafür brauchen wir Leute, die sich dafür stark machen, bissel Ahnung von der materie und einen langen Atem haben. Die Bürgerinitiative Lebenswertes Erzgebirge und die Grüne Liga suchen da dringend Unterstützung.

Den Vordruck für ein Schreiben, daß man selbst an das zuständige Kreisentwicklungs- und Umweltamt des Weißeritzkreises schicken kann, findet man auf der nunmehr recht übersichtlichen, neuen Hohmpeetsch der Bürgerinitiative.

Jens Weber, Grünes Blätt'l März 2005
(Das Grüne Blätt'l - Umweltinfos zwischen Wind- und Geisingberg wird von der Grünen Liga Osterzgebirge monatlich herausgegeben.)

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