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„Wir kriegen hier ein Problem“

„Bitte wenden!“ Mit diesem Kommando hat die Polizei gestern auf der B 170 in Karsdorf zahlreiche Lkws gestoppt – die Bundesstraße ist für Transitfahrzeuge ab zwölf Tonnen Gewicht nur noch von der tschechischen Grenze in Richtung Dresden befahrbar. Wer nach Tschechien will, muss den Umweg über Neugersdorf oder Schönberg wählen. SZ-Mitarbeiter waren unterwegs und berichten über die Folgen: deutlich weniger Brummis auf der B 170, dafür Laster-Kolonnen auf der Autobahn 4 in Richtung Bautzen und in der Oberlausitz. Die neue Regelung gilt bis Ende dieses Jahres. Dann soll die A 17 bis nach Tschechien fertig sein.

Lausitz. Am Übergang Neugersdorf hat sich die Lkw-Zahl gestern mehr als verdreifacht. Bis auf fünf Kilometer wuchs der Stau.

Frantisek Bily zieht die Stirn in Falten: „Wir kriegen hier ein Problem“, murmelt der Chef der Rumburker (Rumburger) Fremden- und Grenzpolizei und legt den deutschen Kollegen seine Statistik auf den Tisch: 220 Schwerlasttransporter hat er allein von Mitternacht bis früh um sieben gezählt, dreimal so viele wie sonst. Bis vormittags um elf sind es über 500, in 24 Stunden werden es vermutlich weit über 1 200 sein. „Und das nur in Richtung Tschechien“, stöhnt Bily.

„Wir müssen noch schneller abfertigen“, mahnt er, „vielleicht noch eine zweite Spur eröffnen.“ Das hieße aber auch, Personal zu verdoppeln, nicht nur in seinem Amtsbereich, sondern auch auf der deutschen Seite und beim Zoll. „Wir werden das schnellstens klären müssen“, sagt er energisch, während am Fenster Laster für Laster vorbeirollt.

Kilometerlanger Grenzstau

Obwohl sich die Grenzbeamten für Abfertigung und Passkontrolle nicht mal eine halbe Minute Zeit nehmen, wächst auf deutscher Seite der Rückstau auf der Zufahrtsstraße zum Übergang Stunde um Stunde: 9.30 Uhr ist er 150 Meter lang, 11 Uhr schon einen Kilometer. Spätestens jetzt ist kein Durchkommen mehr für Pkws, die auf der kurvenreichen Straße ohne Standspur an der Lkw-Schlange nicht mehr vorbeikommen. Sie müssen auf die benachbarten Übergänge in Sohland und Seifhennersdorf ausweichen.

Zu Mittag lösen die Behörden die zweite Stauvariante aus: Ein Teilstück der Zufahrtsstraße wird voll gesperrt und dient jetzt als zweispuriger Stauraum. Drei bis vier Stunden beträgt da die Wartezeit für die Transiter, ehe sie blockweise zur Grenze geschickt werden können. Zudem wird der gesamte Verkehr aus Richtung Tschechien umgeleitet und muss sich durch die Stadt Neugersdorf quälen.

„Bis jetzt klappt das“, sagt Frank Wobst, Chef des Löbauer Polizeireviers. „Die meiste Arbeit haben meine Leute inzwischen damit, die eingeschlafenen Fahrer zu wecken, wenn es wieder ein Stück weitergeht.“ Aber auch Wobst blickt sorgenvoll: „Heute ist Mittwoch“, sagt er, „ein Tag mit relativ niedrigem Verkehrsaufkommen auf der Transitstrecke. Zum Wochenende hin wird es wohl noch viel mehr.“

Schon an diesem Mittwoch rollt der Verkehr auf der Bundesstraße 6 in Hochkirch bei Bautzen im Sekundentakt vorbei. Deutlich mehr Laster als sonst, da sind sich die Hochkircher, die zum Einkaufen und für den Schulweg über die Straße müssen, sicher. „Das ist gar keine Wohnkultur mehr“, sagt Fleischermeister Thomas Hennersdorf. Zwischen 10 und 12 Uhr rollten gestern Vormittag knapp 200 Lkws mit polnischen, ungarischen, slowakischen, holländischen oder deutschen Kennzeichen in Richtung Löbau vorbei. Die Fußgänger-Ampel im Ort ist nachts und am Wochenende abgestellt. „Da kann man nicht rüber dann“, sagt ein älterer Mann, dem das Laufen schwer fällt.

Wenigstens rollen die Lkws so, wie sie sollen. Das jedenfalls ergeben die groß angelegten Polizeikontrollen an diesem ersten Umleitungstag. Nur wenige werden bei der untersagten Stadtdurchfahrt in Bautzen erwischt und müssen die 20 Euro Verwarngeld berappen, und nur wenige fahren durch die Ortschaften entlang der B 96. Die Schwerlaster fahren, wie vom Wirtschaftsministerium geplant, über die B 6 bis Löbau und weiter mitten durch Kottmarsdorf nach Neugersdorf: Bisher waren das immer so an die 350 am Tag, gestern aber mehr als 1 000.

Gegen Abend kann die Stauvariante am Grenzübergang zwar wieder aufgelöst werden, aber die Beunruhigung bleibt: „Wir haben einen kleinen Eindruck davon bekommen, was uns jetzt hier erwartet“, sagt Kottmarsdorfs Bürgermeister Heinrich Huschebeck.

Von Jana Ulbrich und Irmela Hennig , Sächsische Zeitung 16. 03. 2006

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